Challenge Davos – Klimaneutral zum Wettkampf in die Schweiz

Hey ihr Lieben!

Klimaneutral mit dem Wettkampfrad über die Alpen zur Challenge Davos. Aus der Idee wurde ein Plan und aus dem Plan ein Abenteuer. In dieser kleinen Dokumentation nehme ich euch mit auf meine Reise nach Davos und zu einem der tollsten Wettkämpfe, bei dem ich bisher gestartet bin.

Das nächste Abenteuer steht nun auch bereits vor der Tür:

Die Challenge Peguera Mallorca am 19.10.2019 – ein ausführlicher Wettkampfbericht folgt natürlich :). Ich darf eine Kamera auf dem Rad montieren und dokumentiere das Renngeschehen, während ich selbst einen guten Wettkampf zum Saisonabschluss hinlegen möchte. Wird mega spannend :).

Aber jetzt erstmal viel Spaß mit dem Video:

Berlin City Triathlon – der Streckencheck

Ihr startet beim Berlin City Triathlon? Oder ihr seid Zuschauer? Oder ihr interessiert euch einfach für Triathlon? Oder…..ja ja, ist ja schon gut :D! Für alle Starter: Höchste Zeit mal die Strecken anzuschauen und sich auf das Triathlon Spektakel am Olympiastadion einzustellen :). Ich bin mit dem Rad von der ersten Wechselzone am Wannsee, über den “Willi” auf der Havelchaussee zum Olympiastadion gefahren und die Laufrunde, habe ich dann auch gleich mal unter die Lupe genommen.

Warum der Karlsberg den Spitznamen “Willi” trägt und was es beim City Tri zu beachten gibt, könnt ihr euch in meinem neuen Video anschauen. Also, meine Damen und Herren, bitte einmal alle hier entlang 🙂 –>

Der Hoka One One Carbon X – ein Testbericht, aber eben anders

„Probiere im Wettkampf oder kurz davor auf keinen Fall etwas Neues aus“ – von solchen Sprüchen war ich noch nie wirklich ein großer Fan. Ich möchte selbst entscheiden dürfen, welche Entscheidungen die Richtigen für mich sind. Mit allen Konsequenzen.

Okay, es gibt natürlich Dinge, die man nicht tun sollte. Dinge, von denen man aber auch einfach weiß, dass sie einem schaden. Wechselt man also beispielsweise einen Tag vor einem Wettkampf kurzerhand den Sattel und die Laufräder des Wettkampfrades, dann fällt das lebenstechnisch eher unter die Kategorie: Nachts betrunken dem Chef schreiben – einfach mal sagen, was man von ihm hält.

Worauf ich nun hinaus will: Ich habe meine Wettkampfschuhe für die Challenge Roth erst 10 Tage vor dem Wettkampf bekommen. Normalerweise ist das eher ungünstig, wenn man bedenkt, dass zu diesem Zeitpunkt die Läufe kürzer werden und die Trainingseinheiten generell eher der Formerhaltung dienen.

Recherchiert man ein wenig in diesem Internet, von dem immer alle Menschen reden, trifft man schnell auf eine Faustformel: „Schuhe müssen immer mindestens so viele Kilometer eingelaufen werden, wie die Länge des Wettkampfes betrifft“. In meinem Fall wären das dann wohl 42km gewesen – ich glaube ich kam auf 12 :). 

Aber vom ersten Moment an, haben sich die Hoka Carbon X einfach perfekt angefühlt. Es hat nichts gedrückt und die Füße waren zu keinem Zeitpunkt eingeschränkt. Also habe ich eigentlich schon am ersten Tag entschieden, dass ich die Schuhe auf jeden Fall für die Challenge nutzen möchte – und es hat mir zu keinem Zeitpunkt geschadet.

Die technischen Daten der Weltrekordschuhe sind hinlänglich bekannt und damit möchte ich euch auch nicht langweilen. Ein paar kleine Fakten gehen ja aber immer also hier mal in aller Kürze:

Die Sprengung betrifft 5mm und es handelt sich um einen neutralen Laufschuh. Die Oberkonstruktion besteht aus einem einlagigen Mesh und das ist gar nicht mal so unwichtig! Kühlt man sich im Wettkampf häufig und schüttet sich Wasser über den Kopf, saugt sich das Material nicht voll und wird nicht schwer! Reibung bleibt also auch bei Feuchtigkeit eher aus. Blasen und Stinkefüße werden dadurch erheblich reduziert. Stinkig werden auch diese Laufschuhe irgendwann….aber das liegt beim besten Willen nicht an den Schuhen :D.

Während des Marathons war der Mesh echt ein Segen. Ich habe mich ständig gekühlt und mir so ziemlich alles über den Kopf geschüttet, was ich in die Finger bekommen habe. AUSSER Cola und Red Bull ! Warum muss ich nicht erklären, mache ich aber trotzdem: Man fühlt sich irgendwann wie der T1000 aus Terminator 2, wenn er gerade mit dem flüssigen Stickstoff übergossen wird. Alles klebt und man sieht einfach irgendwann richtig doof aus – Zielfotos mit verklebten Haaren und einem Batallion Fliegen über dem Kopf kommen immer gut. Und, um auf das eigentliche Thema zurückzukommen: Es gibt nichts was ich schlimmer finde, als klatschnasse Füße beim laufen.

Die Zunge der Schuhe ist angenäht und rutschfest, vor allem beim Wechsel auch eine echte Erleichterung. Reinrutschen und loslaufen – so zumindest die Theorie.

Jetzt kommen wir aber mal zu dem meist diskutierten Gimmick der flotten Treter: Die Carbonfaserplatte. „Merkt man die überhaupt?“ Und wie! „Bringt die denn überhaupt was?“ Ich denke schon. Zumindest fühlt es sich beim Laufen tatsächlich so an, als ob der Aufprall des Fußes direkt abgefangen und in Vortrieb umgewandelt wird (außer ab Kilometer 30, ab da ist alles nur noch Schadensbegrenzung). Reaktive Dämpfung ! Mag ich!

Ich habe meine Entscheidung, nie bereut und bin ein riesiger Fan der Hoka One One Schuhe. Ich bin früher auch schon den Tracer gelaufen, auch ein super guter Schuh für alle Distanzen. Und ein wenig günstiger als das aktuelle Flaggschiff der französischen Laufschuhmarke.

Ich möchte natürlich niemanden dazu verleiten nun alle Regeln zu brechen und kurz vor einem Wettkampf alles zu ändern. Aber ich bin, wie schon öfter erwähnt, ein großer Verfechter von Vertrauen. Vertraut auf euer Gefühl und auf eure Entscheidungen. Aber Leute, in der Rennwoche selbst, trifft man diese nicht mehr. Leicht verzerrtes Realitätsbild und so :).

Um das Ganze abzurunden:
Ich bin Mittelfußläufer, bin relativ neutral unterwegs (habe eine super leichte Supination, die mir aber erlaubt, neutrale Schuhe zu laufen). Die Schuhe fallen meiner Meinung nach normal aus, hat man also in anderen Laufschuhen eine 43, sollte das auch bei Hoka so passen. Ich bin früher Adidas, Nike, Brooks und On Schuhe gelaufen und finde, dass die Hoka die besten Laufschuhe sind, die ich bisher gelaufen bin. Ja, ich bin FAN!! Aber werde für diesen Artikel weder bezahlt noch gegen meinen Willen festgehalten, also alles safe 😀

12min. Core Workout

Hey ihr Lieben,

nach der Challenge Roth habe ich mir nun eine Woche lang Ruhe gegönnt und war unter anderem bei einem Junggesellenabschied auf Mallorca…das war zwar nicht sonderlich ruhig (:D) aber sicherlich ein gutes Kontrastprogramm zu dem vielen Training der letzten Monate. Und bevor es hier die wildesten Spekulationen gibt: NEIN – wir waren nicht am Ballermann!! Aber ich hatte auch keine Sportsachen mit, soviel darf ich verraten :).

Die Pause ist vorbei und jetzt gehts langsam weiter mit neuen Zielen und Plänen. Aber vorab möchte ich euch noch ein kleines Core Workout ans Herz legen, das man wirklich immer mal wieder in seinen Alttag integrieren kann. Bei 12 Minuten gibts auch keine Ausreden :D. 3x die Woche für eine: Bessere Haltung, stärkere Rumpfmuskulatur, verbesserte Kraftausdauer und ein besseres Körpergefühl. Kennt ihr dieses fiese Stechen, nach 180km beim Wechsel vom Rad zum Laufen? Das hab ich mir mit diesen Übungen wegtrainiert! Schaut mal rein, probiert die Übungen aus und sagt mir gerne, ob euch das Training gefällt:

 

Challenge Roth 2019

07.07.2019 – Raceday

Der Wecker klingelt um 04:30 – eigentlich schon viel zu spät….andere Athleten haben da schon 2x gefrühstückt. Aber ich kann das nicht so gut. Ich bin eher eine Eule und wenn es Eulenhausen gäbe, wäre ich sicherlich der Bürgermeister.

Wir geraten auf dem Weg zur Wechselzone (natürlich) in einen Stau und parken das Auto 20 Minuten (!!!) vor dem Startschuss meiner Startgruppe.

Ich muss regelrecht durch die Wechselzone pflügen um meine Startgruppe (06:50 – Startgruppe 4) noch zu erwischen. Innerhalb von gefühlten 30 Sekunden erledige ich alles, wofür ich mir sonst eine ganze Stunde Zeit nehme:

Reifen aufpumpen, Flaschen anbringen und füllen, Schaltung kontrollieren, Radcomputer checken, meinen Neo anziehen etc. Von Anastasia verabschieden und LOS! Also fast…ich laufe nochmal schnell zurück zum Rad und hänge meine Startnummer an den Lenker – das war knapp :D.

„Willkommen zu deiner 10ten Langdistanz, du doofi“ – denke ich mir und schüttele lächelnd den Kopf, während ich die Stufen zum Main Donau Kanal hinunter kracksele. Am Ende hat aber alles pünktlich zum Start geklappt und nur das zählt (kann man sich halt auch mal schön reden 😀 ).

BOOM  der Startschuss zu meinem bisher besten und schönsten Rennen fällt.

Nach 1:04 krabbele ich aus dem Wasser – safe! Zwar nicht so flott wie geplant, aber immerhin 2 Minuten schneller als im letzten Jahr. Auf dem Weg zum Wechselzelt schnappe ich mir meinen Beutel und dann geht das alles recht flott: Neo aus, Socken an, Schuhe an – go. Beim Radaufstieg zeige ich dann erstmal wie man es nicht macht und rutsche 2-3 Mal aus den Klickpedalen. Ich schaffe es schliesslich unfallfrei in die Pedale und fahre los, nachdem ich Anastasia nochmal zuwinke.

Innerhalb der ersten beiden Kilometer merke ich schon, dass da was anders ist als sonst. Die Beine fühlen sich richtig derbe gut an. Das hatte ich bisher selten…oder um ehrlich zu sein, noch nie. Jedenfalls nicht so.

Die folgenden 180km sind einfach nur der Hammer!

Mein Wattmesser streikt ab Sekunde 1 und habe die gesamte Strecke keine Ahnung, wo ich Leistungstechnisch liege…aber das interessiert mich auch herzlich wenig. Dieses Rennen ist fürs Gefühl, nicht für die Wattwerte!!
Es gibt 3 Dinge, die ich in den 5:20h immer wieder beachte: Aeroposition halten, kontrolliert fahren und die Stimmungsnester bewusst aufsaugen. Bei den Anstiegen klappe ich auch das Visier meines Aerohelmes nach hinten. Nicht nur, damit mal mehr Sauerstoff an die Birne kommt, sondern eben auch um den Supportern und Helfern in die Augen zu schauen und auch mal DANKE zu sagen. Anastasia sehe ich super oft, das freut mich immer unendlich im Wettkampf. Dazu kommen einige bekannte Gesichter und viele unbekannte Anfeuerungsrufe die mich immer weiter antreiben. Let The Good Times Roll – das ist wohl die Definition der gesamten Challenge Roth. Der Solarer Berg haut mich wie Obelix 2 mal emotional aus den Radschuhen und das Radeln vergeht zum ersten Mal wie im Flug.

Ich biege in die zweite Wechselzone ein, steige vom Rad und freue mich wie ein frisch aufgepumpter Fußball. Neue persönliche Bestzeit beim Radfahren. Voller Endorphine gehts direkt ins Wechselzelt. Die Blackroll (das habe ich mir bei Franz Löschke aka. Franz Kipchoge abgeschaut) brauche ich heute nicht. Die herzliche ältere Dame, die mir beim Wechsel hilft, fragt kurz: „Wos host du denn da lustiges im Säckle – des brauchst aber heut net, oder?“ Brauche ich echt nicht, mir tut nichts weh. Rein garnichts. High Five mit der Fränkin, raus aus dem Zelt.

Ich laufe viel zu schnell an (4:30/km) und sehe vor meinem geistigen Auge schon die 10:00h Marke fallen – leider etwas zu früh gefreut, aber gepusht hat mich das allemal. Auch wenn ich schon ab Kilometer 5 zurückrudern muss und mich bei knapp 5:20/km einpendele, verliere ich kein bisschen den Spaß an diesem verdammt guten Tag. Meine Hüfte meldet sich, aber ich nehme das Gespräch nicht entgegen. The Triathlete you called is temporarily not available – keine Zeit für sowas. Das ist nur meine mini muskuläre Disbalance, die kann ich mal wegdrücken.
Auch an der Laufstrecke sage ich so oft wie möglich DANKE und klatsche mit Kiddies und Helfern ab. Ich bin glücklich – den gesamten Tag lang. Das hatte ich mir vorher vorgenommen. Kein Druck, nur Freude. Und das klappt bis ins Ziel.

Meine neue persönliche Bestzeit beträgt nun 10:18:27 aber das ist nicht das, was von diesem Tag bleibt. Was bleibt, ist die Tatsache, dass ich den mit Abstand schönsten Wettkampf meiner bisherigen Triathlonlaufbahn hatte. Danach gabs 2 vegane Burger, eine unruhige Nacht und dicke Beine. Ich möchte keine Sekunde missen.

Das Herz dieser Sportart sitzt meiner Meinung nach genau unter dem Austragungsort der Challenge..oder von dem Challenge Roth, wie es wohl richtig heisst. Home is where you´re heart is und ROTH is where the heart of triathlon is 🙂

Ein offener Brief an meine Motivation

Liebe Motivation, liebe M.,

endlich hab ich dich wieder gefunden. Hiermit möchte ich dich ausdrücklich bitten zu bleiben. Du wolltest nur kurz mal Erdnüsse kaufen und warst eine halbe Ewigkeit, ja fast 6 Wochen, verschwunden. Die Trainingskilometer ohne dich waren einfach nicht dieselben. Schier endlos und beinahe sinnlos.
Wie ich dich wieder gefunden habe, schreibe ich hier am besten einmal für alle auf, die dich hier und da auch mal suchen. Als Hilfestellung, Vorschlag oder einfach als Anleitung…das kann jeder für sich selbst entscheiden. Ich hoffe es ist okay für dich, wenn ich unsere Geschichte erzähle. (Noch theatralischer konnte ich das Intro wirklich nicht verfassen. Ich weiß, du stehst auf Drama, schnelle Abgänge und hast es dir so gewünscht, also sollte dir das eigentlich gefallen. Wenn du Änderungswünsche hast, musst du die aber richtig gut begründen, nach dem was du da abgezogen hast!)

Los gehts:
Ich spüre seit einigen Tagen endlich wieder diese Energie und die Lust, die mir in den letzten Wochen ehrlicherweise etwas gefehlt hat. (Mit Energie und Lust, meine ich
natürlich dich, liebe Motivation. Ich kann nur nicht ständig deinen Namen erwähnen, denn das wäre literarisch ein absoluter Faux Pas! Ich hoffe du kommst damit klar. Musst du aber auch nach diesem Erdnüsse-Ding).
Ich möchte gar nicht so sehr auf dem vergeigten Ironman in Süd Afrika herumreiten, aber um den Wettkampf zu verarbeiten und gedanklich abzuschließen musste ich doch mehr Kraft investieren, als ursprünglich erhofft.
Du warst ja weg – wolltest unbedingt „Catch Me If You Can“ spielen. Verdammte Filmindustrie. Ich hasse Erdnüsse…und ich schweife ab:


Die Trainingszeiten haben kurz nach dem IronMan auch schon wieder ganz okay gepasst, mehr aber auch nicht. Man fragt sich nach dem was, nach dem wie, nach dem wo etc. Und auf all das, habe ich selbst normalerweise immer schnelle, gezielte Antworten.

Nur nicht auf die eine Frage. Und ich könnte wetten, dass das deine liebste ist:

Die nach dem WARUM (..mache ich das eigentlich)?!

Denn da kommst DU ins Spiel. Da kannst du glänzen. Und da du nicht nur Dramatik liebst, sondern auch ganz schön gerne zeigst, was du so alles kannst – bist du bei der Frage, stellt man sie denn ernsthaft, wieder voll am Start.

Ich habe in dieser einsamen Zeit oft überlegt, was das denn überhaupt bringen soll….das ganze Training, die Vorbereitungen, die Kompromisse die man zwangsläufig hier und da eingehen muss (aber ja auch irgendwie eingehen möchte) und nicht zu vergessen, die ganzen Moneten, die man in den Sport steckt.
Vor deinem kurzfristigen Verschwinden, hattest du immer einen ganzen Rucksack voller Argumente, meine liebe M. Das Gefühl nach einem guten Training, neue Laufschuhe, die leere Tartanbahn morgens…. Die Liste ist endlos.

Wenn du nun nochmal verschwindest, weiß ich Gott sei dank genau was ich tun muss, damit du schnell wieder zurückkommst. Ich melde mich einfach spontan für einen kleinen Wettkampf an. Egal ob Sprint-Triathlon, Laufwettkampf etc. Ich erzähle niemandem etwas davon und mache das einfach mal nur für mich. Ohne Druck, ohne Zeitvorgaben. Einfach weil es eben genau das ist….das Warum! Das kribbelige gute Gefühl, das kleine Abenteuer. Und dann stehst du wieder mit mir an der Startlinie. Fast, als wäre nie etwas gewesen.
Wenn du mal wieder eine Auszeit brauchst, hau rein und mach dein Ding. Wir sehen uns spätestens bei der Anmeldung zu einem neuen Wettkampf.

Danke, dass du zurückgekommen bist.

Eigentlich sind wir doch ein gutes Team. Ich hab jetzt auch immer Erdnüsse da.

 

10Km Wettkampf – 3.Platz in der AK

Gestern bin ich beim S25 in Berlin über die 10Km Strecke gestartet und konnte ganz unerwartet den dritten Platz in meiner Altersklasse belegen :). Die letzten 4 Wochen haben mich doch etwas härter auf die Probe gestellt, als es mir kurz nach dem vergeigten Ironman in Süd Afrika bewusst war. Ich musste meine Motivation schon mehr als einmal suchen und hatte manchmal echt das Gefühl, dass ich mein “Mojo” verloren hatte.

Aber dann kam der Vorschlag von Timo, dass ich mir so schnell wie möglich eine Startnummer umbinden soll, um wieder ein Gefühl für meine Form zu bekommen. Also hab ich mich letzten Samstag recht spontan für den S25 angemeldet (ein Wettkampf in Berlin mit der Option 25km, 10km, oder 5×5 Km Staffel zu laufen). Was dort so los war, wie ich mich danach gefühlt hab und wie der ganze Spaß nun weiter geht, könnt ihr hier sehen:

!Achtung Spoiler!

Die Form ist da! Und nun gehts mit großen Schritten in Richtung Challenge Roth am 07.07.2019.
Gestartet wird der neue Trainingsblock mit einem kleinen viertägigen Trainingslager auf Mallorca, von dem ich nächste Woche hier ausführlich berichten werde.

Die Moral von der Geschichte lautet wohl: “Wenn die Zweifel größer sind, als erwartet – Bind dir halt einfach eine Startnummer um” 😀

Ironman Süd Afrika – der ausführliche Rennbericht

Sand zwischen den Zehen. Vor gefühlten 5 Minuten lag ich doch noch im Bett und konnte nicht fassen, dass der Wecker tatsächlich 03:30 Uhr anzeigt?! Jetzt stehe ich hier unten am Strand, an der Startlinie meiner ersten Langdistanz in der neuen Saison. Wie ist das möglich, wo sind die vergangenen 3 Stunden geblieben? Das ganze Gewusel in der Wechselzone dauert super lange, wirkt aber eher wie ein Wimpernschlag.
Um wirklich ernsthaft darüber nachzudenken fehlt mir jetzt allerdings die Zeit. Noch 15 Minuten bis zum Start. Sitzt der Neo? Brille? Badekappe? Check.

07.04.2019 – Nelson Mandela Bay, 06:30 Uhr

BOOOM! 06.35 Uhr, die Profis rennen ins Meer und machen sich auf die 1.6 km lange Strecke im Indischen Ozean. Die Schwimmstrecke wurde aufgrund der wirklich harten Bedingungen von den üblichen 3.8 km auf 1.6 km verkürzt.

Der Wellengang ist enorm, so wie die letzten Tage – nicht umsonst trägt der Austragungsort Port Elizabeth den Spitznamen „Windy City“. Die Pro‘s haben schon ein gutes Stück zurückgelegt, als die Kanone mit einem lauten Knall den Rolling Start für uns Agegrouper freigibt. Körperlich fühle ich mich super, also habe ich mich recht weit vorne eingereiht. Ich will schnell schwimmen, schnell Rad fahren und schnell laufen. Ich will die Qualifikation für die Ironman Weltmeisterschaften auf Hawaii, dafür habe ich die letzten 7 Monate trainiert.

3…2…1 -> LOS

Ich stürze mich mit anderen Athleten in die Wellen. Das muss von Außen wohl aussehen, wie der Angriff der Zombie Piraten in Fluch der Karibik 4. Ein bisschen gefährlich aber hauptsächlich lustig. Von Außen…

Ich halte mich rechts, das war von Anfang an mein Plan. Hier kann ich gut meinen Rhythmus finden und die Gefahr von Schlägen und Tritten ist sehr gering. So zumindest die Theorie. Meinen Rhythmus finde ich anfangs nicht, ganz zu schweigen von der ersten Boje, die ich nach 300m links neben mir lassen soll, um weiter auf Kurs zu bleiben. Ich schaukele so vor mich hin und finde dann auch irgendwann die Boje. Meinen Rhythmus finde ich trotzdem nicht und frage mich die ganze Zeit, was da los ist. Nach ca. 900m schlucke ich zum ersten Mal eine ordentliche Portion Salzwasser. Lecker Süppchen, garniert mit den Abgasen der Boote die um uns herumschwirren. Das bekommt mir garnicht gut und ein paar Sekunden später verteile ich mein Frühstück (und bestimmt auch 1-2 Gels) im Meer.

Wenn einer der Fische so ein bisschen Gel schluckt, dann schwimmt er wahrscheinlich innerhalb von 2 Stunden nach Australien. Direktverbindung quasi. Da war nämlich Koffein drin. War…Ich bringe die 1.6 km, die sich am Ende als 2,2 km entpuppen, mehr schlecht als recht hinter mich, schlucke noch 2mal Salzwasser und komme nach 36 Minuten in die erste Wechselzone. 36 Minuten sind nicht ansatzweise das, was ich mir vorgenommen hatte. Aber auch darüber kann ich nicht lange nachdenken, ich muss kurz abbiegen und den Rest des verbleibenden Frühstücks los werden.


Schwimmausstieg beim Ironman Süd Afrika

Meine Wechselzeit beträgt 3:35min. , was eigentlich nicht schlecht ist, wenn man meinen kurzen Aufenthalt in Dixie-Hausen bedenkt.

Ich brauche ein paar Sekunden, bis ich meine Schuhe, schon auf dem Rad sitzend und fahrend, richtig fest geschlossen habe und dann gehts los. 180 km. Jetzt wird reingehauen. Das Schwimmen ist vergessen…das Wasser schlucken aber irgendwie noch nicht soooo. Egal. Der Radkurs setzt sich aus 2 Runden á 90 Kilometern zusammen und hat insgesamt 1.600 Höhenmeter. Der „Asphalt“ rüttelt einen zwar die gesamte Strecke ganz schön durch, Schlaglöcher gibt es dafür aber keine. Mein absolutes Highlight: Affen an der Radstrecke. So richtige, echte Affen laufen einfach neben der Radstrecke in freier Natur herum und sehen immer süß und unschuldig aus. (Auch wenn sie wohl gerne meinen Helm oder meine Flasche klauen würden)

Nach den ersten 40km verliere ich durch eine Bodenwelle meine Radflasche, die ich mit meiner Verpflegung (für 3h) angemischt hatte. Als hätte Asterix der Flasche einen Kinnhaken verpasst, fliegt das Ding erst hoch in die Luft und landet dann auf der Straße. Die spinnen, die Römer.

Wenn die Affen das Zeug trinken dann……..ach, werden sie schon nicht. Ich habe immer noch meine Gel Flasche also alles gut. Die erste Runde verläuft planmäßig, ich überpace nicht und fahre bedacht. Ich will danach einen (für meine Verhältnisse) richtig schnellen Marathon laufen, das ist meine Stärke, deswegen will ich mich hier lieber etwas zurücknehmen.
Auch der angesagte starke Wind (35km/h mit Sturmböen von bis zu 65km/h) ist noch nicht so wirklich zu spüren. Aber dann kommt das unumgängliche: Die fiese zweite Runde. Nach 110km merke ich einen starken Schmerz, ziemlich weit oben an der Innenseite meines rechten Oberschenkels.

Ein Krampf fühlt sich anders an – und ein Krampf ist auch nicht schwarz/gelb gestreift und sticht einfach mal fröhlich in den Schenkel als wäre es ein Hobby und keine Verteidigung. Ich schnippe die Wespe weg und frage mich, was das denn nun sollte. Die Wespe hätte doch locker einfach weiterfliegen können. Aber nicht diese Wespe…dieses sadistische! Der erhoffte Adrenalinstoß bleibt aus und es tut einfach nur höllisch weh. Immer wieder muss ich die Stelle mit Wasser kühlen und komme ständig aus meinem Tritt.

Die letzten 40 km ist dann auch der versprochene starke Wind da und die Böen haben es auch endlich zur Veranstaltung geschafft. Es wird immer härter und ich verliere langsam aber sicher meine Kraft und Zeit – vieeeeel Zeit. Von der geplanten Radzeit von 5:20:00 bleibt nichts übrig. Nach 06:00h komme ich abgekämpft und nicht besonders gut gelaunt in die zweite Wechselzone.

Jetzt wird gelaufen. Das kann ich. Das liebe ich. Endlich. Ich kann noch alles rausholen…oder eben auch nicht. Ich steige vom Rad ab und meine Beine tun höllisch weh, anders als sonst. Normalerweise fühlen sich die ersten Meter vom Rad zum Wechselbeutel einfach nur komisch an. Aber eben nicht so. Also wackele ich mit meinem Beutel weiter und setze mich auf einen der Plastikstühle um Laufsocken, Schuhe, Stirnband, Brille etc. anzuziehen.

Und dann…bleibe ich sitzen. Ich merke, dass mir die Dinge die an diesem Tag bereits schief gelaufen sind, nicht nur körperlich sondern auch mental zugesetzt haben. Hawaii-Qualifikation: abgehakt – oder eher gestrichen.

Ich verbringe geschlagene 13 Minuten in der zweiten Wechselzone und während mich die Helfer ca. 1000 Mal fragen ob ich Hilfe benötige, schüttele ich nur mit dem Kopf und sage nichts. Ich überlege zum ersten Mal, seit ich mit Triathlon angefangen habe, ob ich das Rennen heute zu Ende bringen kann. Option A: sitzen bleiben, ‘ne Cola trinken, abhaken. Option B: aufstehen und es zumindest versuchen. Also dann doch lieber B. Cola kann ich ja auch unterwegs trinken.

Ich verlasse die Wechselzone und trabe langsam los. Und siehe da, es klappt ganz gut. Ich laufe!! Zwar etwas wackelig und auch irgendwie etwas benommen, aber ich laufe. Nach 16 Kilometern bekomme ich plötzlich Krämpfe in meiner Bauchmuskulatur…..das ist neu, das kannte ich bisher auch noch nicht. So viele Premieren an einem Tag, hätte mir das jemand vorher gesagt, hätte ich eine Rede vorbereitet… Von nun an ist gehen angesagt. Kopf runter und Schritt für Schritt in Richtung Ziel.

Die Zuschauermassen schreien mich immer wieder an: „Daniel, let´s go“.  Ja OK, let´s go!! Ich versuche immer wieder los zu laufen und schaffe es auch ein paar mal. Aber leider nicht für lange. Als ich in die letzte Runde starte und die Sonne langsam unter geht, habe ich ein paar Tränen in den Augen. Auch wenn ich‘s (für mich) völlig versaut hab – Keine Hawaii-Qualifikation, keine neue Bestzeit, ja nicht mal ein Daylight-Finish, so freue ich mich doch es durchgezogen zu haben (ja, und natürlich auch ein wenig, dass es bald endlich vorbei ist :D). Nur noch ein paar Kilometer und ich komme ins Ziel.

Ich komme AN!

Das hätte ich ehrlicherweise schon heute morgen, nach dem Fischfutter-Faux-Pas, nicht so richtig geglaubt. Und da ist er endlich, der Teppich mit dem Ironman Logo. Der Sprecher sagt mit amerikanischen Akzent: Daniel aus Deutschland, gute Arbeit, YOU ARE AN IRONMAAAAAN.
„Aaaaaaaand I‘m totally f****d“ – würde ich am liebsten noch dazu rufen, aber das lasse ich bleiben.
Ich habs geschafft.

Etwas unterkühlt bekomme ich eine Wärmedecke, meine Medaille, das Finisher Shirt und…das wars. Eine Mischung aus Enttäuschung, Freude, Müdigkeit und Schmerzen macht sich breit, während ich ins Zelt mit der Zielverpflegung stolpere. Kurz darauf schnappe ich mein Rad und verziehe mich ins Hotel. Mir ist nach nichtsmehr, ich brauche Ruhe…und ein Bier. Ich telefoniere mit meiner Freundin Anastasia und berichte, was alles schief gelaufen ist – das dauert :). Geschafft!!

Schon am nächsten Tag, fühle ich mich viel besser. Ausser einem wirklich sehr leichten Muskelkater und einem blauen Fleck am Oberschenkel von der wohl sadistischsten Wespe der Welt, gehts mir erstaunlich gut. Körperlich…die Enttäuschung ist natürlich ziemlich groß und wenn ich ehrlich bin, noch bis heute.

Ich quatsche mit den tollen Menschen, die ich auf der Reise kennengelernt habe über das Rennen und wir machen schon wieder die ersten Scherze. Wir lenken uns gegenseitig ab und sprechen über die Rennen die nun noch vor uns liegen. (An der Stelle noch mal viele Grüße an Angela, Robert und Johannes).

Jetzt weiß ich wie es sich anfühlt, wenn am Tag X einfach mal gar nichts läuft. Und auch damit kommt man zurecht. Ich habe an diesem Tag viel gelernt, über mich selbst und den Sport den ich so liebe. Auch das ist Triathlon. Und auch ein total versemmeltes Rennen ist am Ende für irgendetwas gut.

Für mich startet ab jetzt die #roadtoroth! Nach vorne immer, nach hinten nimmer :).

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In eigener Sache:

Muskelkater vergeht und selbst ein DNF (did not finish) ist absolut kein Problem. Man sollte den Sport nie – ja wirklich niemals zu bitter ernst nehmen. Am Ende ist es ein Hobby, dass man liebt und das Spaß machen soll. Seid nicht zu hart zu euch, das Training zahlt sich irgendwann schon aus. Es muss nicht immer die neue Bestzeit sein.

UND das Wichtigste im Triathlon, ist die grundsätzliche körperliche Fitness. Es gibt noch immer viele Athleten, die sich das Ziel „IRONMAN“ vornehmen und sich einfach rein auf Ihr Körpergefühl verlassen. So etwas kann sehr tragische Folgen haben. Also bitte: Wenn ihr jemanden kennt, der das große tolle Ziel hat, einen Triathlon (egal über welche Distanz) zu finishen: bittet diejenigen ein großes Blutbild, eine Sportärztliche Untersuchung und im besten Fall ein Herzultraschall anfertigen zu lassen. Das kann Leben retten. Leider gab es die traurige Nachricht, dass 2 Athleten am Wettkampfmorgen gestorben sind, nachdem sie während des Schwimmens schwere körperliche Anfälle (Herzinfarkt und Krämpfe) erlitten. Mein Beileid gilt den Angehörigen der beiden Athleten.

Helft solche tragischen Fälle zu vermeiden und sprecht darüber, wie wichtig es ist für diesen Sport (und natürlich auch für andere Sportarten) ist, fit zu sein. Nach Außen dringt immer nur die Nachricht: „2 Athleten bei Ironman gestorben.“ Viele nehmen dies zum Anlass um den Wettkampf und den Triathlon dafür verantwortlich zu machen.

Passt auf euch auf – und eben auch auf die Anderen 🙂 !