Road to South Africa #2

Wahnsinn! Das sind für mich gerade echt turbulente Zeiten :D. Vor allem was meine berufliche Laufbahn betrifft. Im letzten Wochenrückblick hatte ich ja schon erwähnt, dass ich mich im kommenden Jahr selbstständig machen werde. Und natürlich fange ich schon jetzt damit an, alle Weichen zu stellen, damit das auch alles so klappt, wie ich es mir vorgenommen habe.

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Challenge Almere Amsterdam 2018 – Teil 1

Hier ist mein Rennbericht zur Challenge Almere Amsterdam 2018. Vor ein paar Wochen bin ich zum ersten Mal bei einer Mitteldistanz der Challenge Serie gestartet. Wie es dazu kam und warum es nicht so wirklich zu 100% mein Tag war, könnt Ihr hier nachlesen. Viel Spaß :).

August 2018 – “Ich muss dieses Jahr noch bei einem Rennen starten”

Gerade mal einen Monat nach der Challenge Roth und meiner neuen persönlichen Bestzeit, bin ich noch wahnsinnig euphorisiert und entscheide mich recht schnell dazu, in diesem Jahr noch bei einem Rennen zu starten. Klar, nach 2 Langdistanzen kommt einem ja auch nicht wirklich was anderes in den Sinn :D. Jedenfalls nicht, wenn man dieses Gefühl einfach auch irgendwie braucht. Dieses Gefühl auf ein Ziel hinzuarbeiten. Ich glaube das ist es, was mich am meisten antreibt und motiviert. Ein Ziel.
Ich erinnere mich noch ganz genau an die Anmeldung für meinen ersten echten Wettkampf. Ich habe mich damals für die Olympische Distanz beim Berlin Triathlon angemeldet und ab dem Mausklick auf “Anmeldung Bestätigen”, war ich völlig on fire. Davor war ich zwar auch schon etwas aufgeregt und hibbelig, aber ab diesem Zeitpunkt einfach doppelt und dreifach. Seitdem hat sich recht wenig geändert. Wenn der Gedanke per Mausklick plötzlich zu einem festen Datum wird, ist es immer noch ein super aufregender Moment für mich.

Um die Saison nun jedenfalls auch gebührend abzuschließen, will ich bei einer Mitteldistanz starten. Diesen Monat möchte ich allerdings nicht direkt schon wieder voll reinhauen und noch etwas regenerieren. Nachdem ich in einem kurzen Telefonat auch das “Go” von Timo bekommen habe, registriere ich mich für die Challenge Almere Amsterdam. Ich wähle diese MD (Mitteldistanz) weil sie a) im September stattfindet, b) nicht soooo weit weg ist und c) weil ich einfach noch nie in Amsterdam war.

Mein Ziel ist, natürlich, eine neue persönliche Bestzeit auf der Mitteldistanz. Die liegt zu diesem Zeitpunkt bei 05:25. Aber mein letztes Erlebnis auf der Mitteldistanz, liest sich wie “Odyssee im Weltall”. Das war 2015 beim Ironman Barcelona..und Leute glaubt mir: Ich hatte die Form meines Lebens…was Essen und Bier trinken betraf. Ein guter Freund, Clemens, hat mir danach bei WhatsApp folgende Nachricht geschrieben: “Boah mein Dicken, stark, bist wohl auf der Langdistanz gestartet und hast nen neuen Weltrekord aufgestellt”. Ja. So, oder so ähnlich.
Und dieses Jahr will ich das auch irgendwie verarbeiten :).

Freitag, 07.09. 2018 – der Tag vor dem Wettkampf

“Diesmal wird das alles ganz schön knapp” – denke ich, als ich Freitag morgen auf der A2 Richtung Almere im Stau stehe. Ich fahre mit dem Auto. Es sind knapp 648Km von Berlin ins Zentrum von Almere und das ist schon okay. Das lässt sich fahren, allerdings wäre es wohl besser gewesen, noch mal einen Tag früher anzureisen. Auch für die Beine, die das lange Autofahren auch nicht so super finden. Aber was soll’s, es ging nicht anders. Ich hatte Termine auf der Arbeit und konnte einfach nicht früher. Also weg mit den negativen Gedanken und wieder hin zum….Stau. Der löst sich nun aber auch recht schnell auf und ich komme gut durch. Um 15:36 komme ich in Almere an und parke mein Auto. Meine beiden ersten Gedanken: “Ey, die dürfen hier mit ihren Rollern auf den Radwegen fahren” und “voll schön hier” :D.

Nun ist Konzentration angesagt – heute muss ich noch so ziemlich alles vorbereiten. Morgen früh um 07:22 geht es schon ins Wasser.
Und ich muss: meine Startunterlagen abholen, mein Rad vorbereiten, einchecken, zum Hotel fahren, die Wechselbeutel packen, essen, später Anastasia vom Flughafen abholen (Sie hatte auch super viel auf Arbeit zu tun, und konnte Freitag früh nicht mitfahren), wieder essen, schlafen und dann fällt ja auch schon der Startschuss.

Ich bin gut gelaunt und wenn nichts Großartiges schief geht, wird das alles schon klappen. Und das tut es auch tatsächlich. Das Einzige, was mir ein wenig Sorgen macht, ist das Wetter. Es ist zwar trocken, aber es weht ein echt kühler Wind und die Sonne zeigt sich nicht so wahnsinnig oft. 16 Grad – schon ganz okay. Wenn es nicht kälter wird, passt das für mich, denke ich. Wie schon in meiner Geschichte zum Ironman Lanzarote erwähnt: Rennen bei Kälte sind echt nicht so mein Ding.
Aber ich bleibe optimistisch, schnappe mir die Startunterlagen und treffe mich mit Jannis. Er wird morgen auf der Langdistanz starten und ist super gut vorbereitet. Wir bereiten zusammen die Räder vor und checken ein.

Es gibt 2 getrennte Wechselzonen. Eine für die Mitteldistanz und eine für die Lange. Die Wechselzone befindet sich auf einem großen Parkplatz direkt in der Innenstadt an einem kleinen See. Es ist alles sehr übersichtlich und, wie ich es auch von der Challenge Roth schon gewohnt bin, sehr gut organisiert.

Wir treffen uns nach dem Check-in, quatschen über dies und das und schauen uns noch die Triathlon Messe etwas genauer an. Danach verabschieden wir uns und wünschen uns, falls wir uns nicht mehr sehen sollten, schon mal viel Glück für den nächsten Tag.

Ich fahre zum Hotel, etwa 22Km von Almere entfernt, und bereite meine Wechselbeutel vor. Darin bin ich in diesem Jahr mittlerweile schon geübt und ich nehme genau das mit, was ich in Roth auch eingepackt habe, nur einfach die Hälfte der Verpflegung:

3 Salztabletten für das Radfahren und 2 fürs Laufen.
1 Gel vor dem Schwimmen, 1 danach, 3 fürs Rad und 2 fürs Laufen.
Easy. “Das wird gut morgen”, denke ich und packe alles fertig. Danach lege ich mich kurz aufs Bett und gehe den Rennablauf in meinen Gedanken durch. Ich denke daran, was ich morgen zu welchem Zeitpunkt beachten muss und viel wichtiger: Ich stelle mir vor, wie ich mich beim Rennen fühle. Bei allen 3 Disziplinen. Ich stelle mir vor, wie ich super schnell durchs Wasser pflüge, auf dem Rad richtig Druck in den Beinen habe und beim Laufen meine Pace halten und ausbauen kann. Dabei stelle ich mir auch einfach vor, wie es wäre, als Erster aus dem Wasser zu kommen oder das Rennen insgesamt zu gewinnen. Das gibt mir im Rennen, wenn ich mal eine schwache Phase habe, wieder einen kleinen Schub. Also warum nicht einfach mal maßlos übertreiben :).

Um 21:00 hole ich Anastasia vom Flughafen ab und schon auf dem Weg dahin, schüttet es wie aus Eimern. Als ich im Hotel ins Auto einsteige, um die 40Km zurückzulegen, sind es 12 Grad. Ich werde schon langsam ein wenig nervös und hoffe einfach, dass es morgen früh nicht mehr regnen wird.
Anastasias Flug war super, sie steigt am Flughafen ins Auto und wir reden über das was wir an diesem Tag schon so alles erlebt haben. Auf dem Weg nach Almere, regnet es weiter..kein Ende in Sicht. In einem kleinen schönen Restaurant nehmen wir beide Nudeln und ich esse im Namen des heiligen Carbo-Loadings auch ihre halbe Portion auf.

Wir gehen gegen 23:00 Uhr ins Bett und ich denke mir noch kurz vor dem Einschlafen: Wahnsinn, was in den letzten 24 Stunden passiert ist. Bei anderen Rennen hat man für das alles mal locker so 2-3 Tage Zeit.
Ich schlafe schnell ein und um 05:30 klingelt der Wecker!

08.09.2018 – RACEDAY

Wir stehen auf, machen uns fertig und sind beide fit und gut drauf. Beim Verlassen des Hotels merken wir allerdings recht schnell, dass es super kalt ist. Die Temperaturanzeige im Auto zeigt 9 Grad an. Ich muss 2 Mal schauen. Bei allem Optimismus und aller guten Laune, das wird hart heute. Damit muss ich mich nun langsam aber sicher echt abfinden. Wegen schlechten Wetterbedingungen nicht zu starten, kommt für mich nicht in Frage. Jedenfalls bisher noch nie. Also machen wir das Beste daraus. Einfach reinhauen und schauen was geht. Was soll schon großartig passieren. Trainiert habe ich jede Menge und wenn mir zu kalt ist, bleib ich halt einfach kurz stehen und versuche mich aufzuwärmen.

Ich platziere die Wechselbeutel in dem riesigen Wechselzelt, ziehe meinen Neo an und gehe zum Schwimmstart. Die Stimmung ist trotz des Wetters gar nicht mal so schlecht. Alle anderen Athleten denken wohl auch, dass es nicht gerade die besten Voraussetzungen sind, aber gemeinsam hält man das eben besser aus :).
Am Schwimmstart treffe ich mich nochmal mit Anastasia, Sie wünscht mir viel Erfolg, wir drücken uns und es geht LOS!!

Schwimmen:

Geschwommen werden die 1.9 Km in einem See im Dreieckskurs. Ich habe mich ziemlich weit vorne eingeordnet und es gibt einen Rolling-Start. Im Abstand von ca. 5-8 Sekunden, werden immer nur 5 Starter ins Wasser gelassen. Das führt zu wirklich wenig Rangelei und man findet recht schnell seinen Rhythmus. Ich bin echt ein riesiger Fan von dieser Art in den Wettkampf zu starten.
Und LOS!! Zusammen mit 4 anderen Athleten laufe ich über den Asphalt und über einen kleinen Steg ins Wasser. Es fühlt sich direkt super kalt an und als der Neo sich in den ersten Sekunden mit Wasser füllt, denke ich ganz kurz: WARUM?! 😀
Aber dafür bin ich heute morgen hierher gekommen. Ich wusste was mich erwartet und jetzt ziehe ich das durch!!!
Ich merke bei dem Anblick der anderen Athleten, dass wir nicht so wahnsinnig schnell unterwegs sind. Von außen muss das wohl ausgesehen haben, wie eine Horde Zombies in Gummipelle, die durchs Wasser treibt. Anastasia konnte das später genau so bestätigen :D.

Das Schwimmen verläuft bis auf die Kälte und den Wind recht unspektakulär und ich komme nach 34:59 Minuten aus dem Wasser. Nicht das, was ich mir vorgenommen hatte (30 – 32 Min.), aber unter diesen Umständen voll okay. Auf geht’s ins Wechselzelt und ab auf die Radstrecke, die laut Erfahrungen vieler anderer Athleten echt windig sein soll.

Und windig wird es auch…..seeeeehr windig und so richtig warm wird mir dann auch nicht.

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Warum es dann doch noch zu einem krassen Glücksmoment kam, erzähle ich euch im zweiten Teil, auf den Ihr wirklich nicht lange warten müsst. Versprochen. 🙂

Challenge Roth – Teil 2/2

Und hier ist der zweite Teil meiner Geschichte zur Challenge Roth. Der Tag davor, das Rennen, die neue Persönliche Bestzeit und warum wir direkt danach erstmal eine Woche in Urlaub gefahren sind :)!

Samstag, 30.06.  Bike Check-In

“Erstmal ausschlafen. Da man in der Nacht vor dem Rennen eigentlich nie gut schläft, sollte man einen Tag davor erstmal richtig ordentlich ausgeschlafen”. Jeder Triathlet hat diesen Satz schon mindestens 1 – 200 Mal gehört. Funktioniert irgendwie bei mir nie. Also beides. Weder einen Tag davor ausschlafen (es gibt einfach vieeeeel zu viel zu tun), noch in der Nacht vor dem Rennen vor Aufregung zu wenig, bis gar nicht schlafen.
Bisher hatte ich immer das Glück, dass ich am Wettkampftag morgens gut aus den Federn kam. Bis auf diesen einen Morgen bei der Challenge Almere Amsterdam…aber dazu dann auch an anderer Stelle wieder mehr.

Wir stehen also recht früh auf, Frühstücken ordentlich und dann geht es auch schon los. Heute steht Bike Check-In in der Wechselzone 1 (T1) am Main Donau Kanal an. Und davor treffen wir uns mit Timo auf der Triathlon Messe, um die Renntaktik zu besprechen und letzte Fragen (ja, da habe ich ein paar :D) zu beantworten.

Bevor wir losfahren checke ich wie immer den Inhalt meiner Wechselbeutel. Es gibt einen blauen, einen roten und einen grünen Beutel. Blau und rot muss ich heute schon abgeben. Damit auch keine Verwechslungen entstehen, bekommen alle Athleten extra Startnummern Aufkleber für die Beutel. (kleiner Spoiler: Meiner wurde zum ersten Mal in diesem Jahr verwechselt…aber das kommt gleich noch).

In meinem roten Beutel (Radfahren) befinden sich: 3 Gels, mein Helm, eine Radbrille, Socken und meine Radschuhe: Check!
Meine Laufschuhe, ein zweites Paar Laufsocken, ein Cliff Bar, ein Stirnband und eine zweite Sonnenbrille (man weiß ja nie) befinden sich im blauen Lauf-Beutel: Check!
Mein Fahrrad ist auch bereit, Anastasia ist bereit, ich bin bereit. Los geht´s :).

Obwohl wir etwas außerhalb untergebracht sind, dauert die Fahrt nicht lange und wir kommen 30 Minuten später an der Triathlon Messe an. Obwohl sich hier in verschiedenen Zeitabständen 3500 Einzelstarter und nochmal 650 Staffeln tummeln, bekommt man eigentlich immer einen Parkplatz. Und auch sonst fühlt es sich so an, wie ein Vergnügungspark. Ein Vergnügungspark für Triathleten.
Wo sonst begrüßt einen schon bei der ersten Einfahrt in den Ort ein riesiges Banner, dass an zwei Laternen befestigt ist und die Aufschrift: “WELCOME TRIATHLETES” trägt? Viele Restaurants und Gaststätten sind mit dem Challenge-Logo, Challenge-Merchandising und teilweise selbst gebastelten Bannern geschmückt. Hier ist jeder, also wirklich JEDER im Triathlon Fieber. Sogar in den Drogerie Märkten hängen Medallien und Statnummern von Mitarbeitern, die das Rennen in der Vergangenheit gefinisht haben. Wenn Sebi Kienle auf einem Pferd durch den Ort galoppieren und jeden Namentlich begrüßen würde, dann wäre das…nennen wir es… wohl normal :D. Spaß bei Seite, dieser Ort ist magisch und die Anwohner, Zuschauer, Athleten, das Orga-Team… ach einfach alle sind infiziert vom Triathlon Fieber. Und das nun schon seit 35 Jahren.

Der Mittelpunkt der Messe ist unser Treffpunkt. Dort befindet sich die See

bühne auf der Interviews und Triathlon-Talks stattfinden. Timo hält noch einen Vortrag, gibt Tipps zum Rennverlauf und interviewt einige Starter. Danach begrüßen wir uns und besprechen die Renntaktik. Auch wenn wir uns nun schon eine Weile kennen, ist es immer noch ein besonderer Moment für mich mit Timo zu quatschen. Nervös bin ich nicht, ich bin einfach nur froh. 
Die Wetterbedingungen sollen perfekt werden: 22 Grad und fast kein Wind. Die Renntaktik lautet also grob zusammengefasst: VOLLGAS!
Der Wind soll ab der Mittagszeit leicht von Osten wehen und das bedeutet: knapp 40Km Rückenwind auf der zweiten Radrunde. Die Radstrecke besteht aus 2 Runden á 90Km und die letzen 40Km einer Runde verlaufen in Richtung Westen. Jackpott.

Timo macht mir mut und sagt: “Wenn Du Dich gut fühlst, denk nicht zuviel drüber nach und gib Gas”. Darüber werde ich im Rennen noch häufiger nachdenken.

Wir gehen nochmal über die Messe, schauen uns ein paar Stände an und dann geht es zum Bike Check-in. Von 11:30 – 16:00 ist die Wechselzone für die Athleten geöffnet. Ich gebe mein Rad eigentlich immer recht früh ab, damit ich hinten raus noch genügend Zeit habe, falls was fehlt oder einfach mehr Zeit habe, den Tag noch mit Anastasia zu genießen und etwas abzuschalten. (Das klappt manchmal wirklich!)
Ich gehe also zu meinem Radständer, stelle das Rad ab und lasse etwas Luft aus den Reifen (bis auf ca. 4-5 Bar). Damit verringert man die Gefahr, dass sich die Reifen durch zu hohe Sonneneinstrahlung zu sehr ausdehnen und platzen. Das kann nun wirklich keiner gebrauchen.

Alles läuft nach Plan. Ich platziere den roten Beutel am Schwimmausstieg und gebe den Blauen bei den Helfern ab, die den Beutel zur Wechselzone 2 (T2) Transportieren.
Ich präge mir den Weg ein, den ich aus dem Wechselzelt zu meinem Rad laufen muss und lege meinen Helm auf den Lenker des Rades. Bei der Challenge Roth ist es erlaubt seinen Helm, die Startnummer, die Radbrille etc. über Nacht am Fahrrad zu lassen.

Fertig! Bereit! Ab nach Hause, essen, früh ins Bett. Um 3:30 klingelt der Wecker zum längsten Tag des Jahres :).

01. Juli 2018 – das Rennen

Wir gehen zum Frühstück, dass extra für den Wettkampftag schon ab 03:00 bereit steht. Ich esse 2 Brötchen mit Honig und Marmelade. Kaffee trinke ich nicht, lieber Wasser, sonst kann ich für nichts garantieren :D. Danach nochmal kurz aufs Zimmer, ins Bad, Sonnencreme (50ger) und Creme gegen Wundscheuern auftragen. Rein in die Schuhe und los zum Schwimmstart.
Ach dort ist die Organisation einfach unfassbar gut. Wir finden, wie immer, schnell einen Parkplatz und gehen die letzten ca. 500m in Richtung Wechselzone. Auf halbem Weg fällt mir auf, dass meine Pumpe noch im Auto liegt….aaaaah. Solche Kleinigkeiten können einen an diesen speziellen Tagen echt verrückt machen :D. Also wieder zurück und von vorne. Wir kommen nun also zum Schwimmstart und egal wie sehr ich es versuche, mir fehlen die richtigen Worte um diese Atmosphäre zu beschreiben. Einzigartig, unbeschreiblich, ja fast schon episch. Die Mischung aus Musik, Sonnenaufgang, Adrenalin, Vorfreude und Aufregung elektrisieren die gesamte Umgebung. Alle sind infiziert. (Wie bei 28 Days Later. Nur sind alle froh und keiner hat Interesse daran, den anderen Athleten einfach mal in den Neoprenanzug zu beißen).

Ich gehe zu meinem Rad um erstmal die Reifen aufzupumpen. 8.5 Bar ist meine Zahl zum Glück. Ich kontrolliere nochmal alles, platziere den Radcomputer und fülle mein Trinksystem und meine zweite Trinkflasche auf. Alles läuft gut, die Spannung steigt. Auch Sebi Kienle hab ich schon gesehen. Er wirkt super entspannt und gut gelaunt. Wie eigentlich immer. Lucy Charles hat schon vorher klar gemacht, dass Sie den Schwimmrekord brechen möchte und viele andere Top Athleten sind in diesem Jahr am Start: Daniela Sämmler, Yvonne Van Vlerken, Andi Dreitz, Joe Skipper, Cameron Wurf, Jesse Thomas, Kaisa Sali (von der man in Zukunft sicherlich noch sehr viel hören wird) und noch viele mehr. Ein wahnsinns Starterfeld.

Aber darüber denke ich nur kurz nach, heute bin ich ganz bei mir und das muss ich auch sein. Denn heute soll eine neue persönliche Bestzeit her. Ich setze mich selbst nicht unter Druck, bin aber fokussiert und bereit.

Schwimmen:

Ich ziehe meinen Neoprenanzug an (aber nur bis zur Hüfte, ich habe noch 30 Min. bis zum Start), schmiere meinen Hals mit Creme ein und gehe zum Zaun, um nochmal mit Anastasia zu reden. Wir drücken uns fest und lange, sie wünscht mir ganz viel Erfolg und viel Spaß (wirklich von Herzen, das merke ich) und wir verabschieden uns. Dieser Morgen ist so schon eine echte emotionale Herausforderung aber dieser Moment, ist ein ganz besonderer.

Ich gehe in Richtung Schwimmstart, ziehe meinen Neo nun ganz an, setze die Badekappe auf (auf der auch meine Startgruppe und Startzeit aufgedruckt ist) und reihe mich ein. Kurz bevor es ins Wasser geht, setze ich die Schwimmbrille auf. Diese Momente vergehen immer so rasend schnell. Noch 60 Sekunden bis zu Start. Ich gehe ins Wasser und reihe mich rechts außen ganz vorne ein. Ja, ganz vorne. Da fühle ich mich wohler als im Mittelfeld, umgeben von 200 Schwimmern. Jede Startgruppe in Roth besteht aus genau 200 Athleten, was das Ganze im Gegensatz zu anderen Rennen echt entspannt macht.

Alles wird kurz Still und dann — BOOOM — START!!
Ich halte mich an den Tipp von Timo und schwimme los, als würde mich ein (kleines, dickes) Krokodil verfolgen. Ich will mich freischwimmen und das klappt unfassbar gut. Nach gefühlten 200 Metern schaue ich kurz zurück. Ich konnte mich ein paar Meter von den Athleten, die eben noch direkt hinter mir waren absetzen und finde schnell meinen Rhythmus.
Das restliche Schwimmen verläuft großartig. Ich verliere zwar immer wieder Zeit, weil ich um einige Gruppen herum schwimmen muss, aber es läuft. Auf den letzten 400 Metern steigere ich das Tempo nochmal und denke kurz: Ach Mannnnnnn….da hättest Du schon früher mehr draufdrücken können. Aber egal. Nicht unter Druck setzen und keine negativen Gedanken aufkommen lassen. Nach 01:06 krabbele ich aus dem Main Donau Kanal! Stark! Genauso schnell wie auf Lanzarote. Damit komme ich zurecht.

Ich schnappe meinen Wechselbeutel und laufe ins Zelt. Neo aus, Socken an, Radschuhe an und GO!

Los geht´s auf die 180Km lange Radstrecke. Eine der schönsten und schnellsten überhaupt.
Anastasia winkt mir auf dem Weg aus der Wechselzone zu, das gibt nochmal einen extra Schub.

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Challenge Roth 2018 Teil 1/2

Seit ziemlich genau 7 Jahren starte ich nun bei der Challenge Roth. 6x als Einzelstarter und 1x als Schwimmer in einer Staffel. Aber warum gerade in diesem Jahr alles anders war und dieses Rennen meine Verbindung zum Triathlon verändert hat, könnt ihr hier nachlesen:

April 2018 (oder wie alles begann):

Noch 4 Wochen liegen zwischen mir und meinem Start beim Ironman Lanzarote. Was aber bisher fast niemand weiß: schon 5 Wochen nach der ersten Langdistanz in diesem Jahr, starte ich auch schon bei der Zweiten :D. Ich habe mir fest vorgenommen eine neue persönliche Bestzeit in Roth aufzustellen, denn mit dem Rennen habe ich noch eine Rechnung offen. Jetzt nicht so Clint Eastwood-mäßig. Also nicht, dass mir das Rennen etwas getan hat, sondern eher umgekehrt. Ich hatte quasi 5 mal ein Date mit der Challenge Roth und hab mich 5 Mal vor dem Bezahlen gedrückt. 1 Mal hab ich dann wenigstens die Getränke übernommen. Ich bin also der Alan Harper der Challenge Roth. Natürlich im übertragenen Sinn. Ich habe meine Startgebühren immer ganz fein gezahlt, kam rückblickend aber eher nur “einigermaßen vorbereitet” an die Startlinie.

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Ein kleiner Exkurs zu meinen bisherigen Starts:

2012: Meine erste Langdistanz! Damals noch mit einem geliehenen Rennrad. Ich habe genau 12 Monate vorher überhaupt erst mit Triathlon angefangen und fühlte mich gut vorbereitet.
Ich kam nach 13:10:47 völlig kaputt im Ziel an, war in diesem Moment aber trotzdem der glücklichste Junge der Welt. Ich hatte aber nicht nur meine erste Langdistanz gefinisht. Ich habe wahnsinnig tolle Menschen kennengelernt, aus denen mit den Jahren Freunde wurden. An dieser Stelle auch nochmal ein großes Dankeschön an Clemens und die Jungs vom MTV Aurich. Ohne euch hätte ich wohl nach dem Wettkampf nicht mehr nach Hause gefunden – oder mein Rad – oder meine Autoschlüssel :D. Diese Erfahrung lässt sich schwer zusammenfassen und füllt mit Sicherheit nochmal mindestens einen eigenen Blog Eintrag.

2013: Diesmal stand ich besser vorbereitet an der Startlinie und konnte die Distanz deutlich schneller schaffen: 11:37:20. Was ich wollte und konnte, waren zwar immer noch 2 verschiedene paar Schuhe, aber ich hatte meine Zeit um fast 90 Minuten verbessert. In diesem Rennen habe ich etwas sehr wertvolles gelernt: wenn es anfängt weh zu tun, geht immer noch ein kleines bisschen mehr. Vorher habe ich das für einen Spruch gehalten. So in der Art: “Wenn Du willst, kannst Du alles werden”. Heute stehe ich dazu ein wenig anders.

2014: 20% der Teilnehmer stiegen aufgrund der Wetterbedingungen (34 Grad) aus dem Rennen aus. 20%…das ist schon eine wahnsinnige Zahl. Ich kam in 12:21:13 ins Ziel und war damit ganz zufrieden. In diesem Jahr gewannen Mirinda Carfrae und Timo Bracht das Rennen. Unter anderem starteten auch Challenge Roth Organisator Felix Walchshöfer und….eine 83 Jährige Nonne, Sister Madonna Buder. 83!!! Rückblickend war das ein sehr emotional geladenes und tolles Challenge Wochenende. 

2015: 12:36:17 …. langsam wird es recht deutlich. Ich befand mich in einer Endlosschleife wie Bill Murray in “Und täglich grüßt das Murmeltier” – nur hatte ich deutlich mehr Trainingsaufwand. Ich wurde nicht viel besser, aber auch nicht viel schlechter. Mein absolutes Highlight: Anastasia war in diesem Jahr zum ersten Mal dabei und stand an der Ziellinie. Es hat mir wahnsinnig viel bedeutet, und das tut es auch heute noch.

Es gibt viele Altersklassen Athleten, deren höchstes Ziel darin besteht, einen Triathlon zu finishen. Und alleine dieser Antrieb hat mehr als vollen Respekt verdient. Und zwar von allen Seiten. 360 Grad Respekt! Jeder hat seine eigene Geschichte, seine eigene Motivation und seine eigenen Gründe. Ich habe bisher in jedem Wettkampf in Roth, bis auf 2018, während des Rennens jemanden kennengelernt. Jemanden mit dem ich entweder nur ein Stück, oder ganze Streckenabschnitte auf der Laufstrecke gemeinsam zurückgelegt habe. Gehend oder Laufend, es waren immer Begegnungen der ganz besonderen Art. Man teilt nicht nur diesen gemeinsamen Moment, man teilt so viel mehr. Jeder weiß, was der Andere getan hat, um genau jetzt an genau dieser Stelle zu stehen (gehen, humpeln, laufen :D). Das verbindet :). Die Athleten feuern sich gegenseitig an und unterstützen sich. Manchmal sogar bis in die Reihen der Profis. Und das ist eben auch Triathlon für mich.

Zurück zum Thema:

2016: Meine Zeit: 12:06:11. Jan Frodeno stellte in diesem Rennen mit 07:35:39 eine neue Weltbestzeit auf. Ich ging gerade auf die Laufstrecke, als mir dieser weiß-rote ICE (das waren die Farben seines Triathlon Anzuges) entgegen kam. Er lief in Richtung Ziel, ich in Richtung 42 Km. Ich weiß bis heute nicht, ob das eher motivierend oder furchteinflössend war :). Ich denke aber eher motivierend. Die Bilder habe ich zumindest immer noch deutlich vor mir. Ich blieb kurz stehen und habe überlegt, ob ich ihm die Hand hinstrecke. Ich wette er hätte abgeklatscht. Die Angst dabei einige Finger einzubüßen war allerdings etwas größer :D.

2017: Mein erster Staffelstart. Ich hatte den Schwimm-Part übernommen und konnte so auch mal den Zieleinlauf der Profis sehen und andere Athleten anfeuern. Eine ganz neue Erfahrung, aber auf dem Weg nach Hause kribbelte es natürlich trotzdem in den Beinen.

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Nun soll 2018 nun mein erstes Jahr mit gleich zwei Langdistanzen innerhalb von 5 Wochen werden. Und eine neue persönliche Bestzeit will ich auch unbedingt aufstellen. Ich habe viel gelernt und bin bereit alles dafür zu tun. Eine gute Sache hat die ganze Aktion aber schon vorab: Da ich Lanzarote kurz vor der Nase habe, mache ich mir über Roth noch eher wenige Gedanken. Ich verliere trotzdem nicht den Respekt vor dem Rennen, auch wenn mich in Roth “nur” 1200 Höhenmeter auf der Radstrecke erwarten. Im Gegensatz zu den 2580 Höhenmetern auf Lanzarote, ist das aber schon mal ein enormer psychologischer Pluspunkt.

Juni 2018 – noch knapp 5 Wochen bis zum Start:

Nachdem ich also aus Lanzarote mit vielen guten Erinnerungen und hoch motiviert wieder in Berlin angekommen bin, heißt es jetzt: 5 Wochen bis Roth. 1 Woche Erholung mit eher geringem Trainingsaufwand und dem Fokus klar darauf, wieder in die Gänge zu kommen. 3 Wochen Training inkl. einer olympischen Distanz in der dritten Woche (Helenesee Triathlon).
Und dann heißt es schon wieder
– Raceweek – !! Ich erhole mich schnell und finde sehr gut ins Training zurück. Es fühlt sich an, als würde ich erst jetzt genau die Form erreichen, die ich mir auch schon für Lanzarote gewünscht habe. Echt irre…da muss man erstmal eins der härtesten Rennen machen, um in Form zu kommen.
Ob das wohl eher eine mentale Geschichte ist? Zumindest teilweise unbestreitbar.

Die olympische Distanz in Berlin verläuft super, auch wenn die Radstrecke noch während des Schwimmens gesperrt werden muss, und der Wettkampf schlussendlich in einem Swim-Run endet. Ich schwimme ganz ordentlich und laufe die 10Km in einem knappen 4 Minuten schnitt. Wir treffen viele Freunde und Bekannte und haben einfach einen super tollen Tag. Nils Frommhold gewinnt das Rennen recht deutlich und es ist einfach super cool, dass die Profis auch mal bei eher “kleineren Rennen” plötzlich in der Wechselzone auftauchen :). Ich komme wieder, soviel steht fest. Aber jetzt bin ich erstmal bereit für Roth.

 

Wir planen schon Donnerstag vor dem Wettkampf anzureisen, aber Beyoncé und Jay-Z machen uns einen Strich durch die Rechnung. Die beiden stoppen auf Ihrer OTR2 Tour im Berliner Olympiastadion und NIEMALS können wir uns das entgehen lassen. Ich liebe Jay-Z, Anastasia liebt Beyoncé…wenn wir da nicht hingehen, begehen wir quasi Verrat an uns selbst :D. Die Show ist einfach nur der absolute Wahnsinn und stimmt uns richtig gut für unser kommendes Abenteuer ein.

Ich habe mir für die Zukunft vorgenommen, diese Angst vor den Rennen zu bekämpfen. Diese Angst die jeder kennt, der an einem Tag X (Wettkampf, Hochzeit..solche Tage eben) seine volle Kapazität abrufen will. Davor möchte man möglichst eingewickelt in Schaumstoff und antibakterieller Seide durch die Welt schreiten, sich nicht zu sehr bewegen und um Himmels willen nicht mit vielen Menschen in Kontakt kommen – die könnten ja ne Grippe haben…oder so.
Im Endeffekt hat man aber keine Chance….wie soll man sich denn vor einem Rennen so wirklich wenig bewegen? Wenn man nicht gerade im Privatjet anreist und 30 Sekunden vor dem Start direkt an der Startlinie abgeworfen wird, funktioniert das meiner Meinung nach nicht wirklich. Die letzten beiden Tage vor dem Rennen steht auch viel auf der To-Do Liste: Man schaut sich die Triathlon-Messe an, geht zum Bike Check-In, schaut sich die Region an, geht essen und wieder zur Messe, Startunterlagen abholen etc. Eine 100%ige Erholung ist da eigentlich ausgeschlossen. Der Körper würde nach 8 Monaten Training auch nicht so wirklich verstehen, dass man in der Rennwoche plötzlich einfach gar nichts mehr tut. Der denkt sich dann nämlich auch ganz schnell: Ach cool, Urlaub! Malleeeeee 😀 !! Und dann hat man beim Rennen den Salat.
Nee nee, dann mache ich mir lieber die bestmögliche Zeit vor dem Rennen, und gehe auch mit einem guten Gefühl an den Start.

Ende Juni 2018 – Anreise in Roth:

Es ist Freitag der 29.06. und wir fahren früh morgens gut gelaunt und mit der OTR2 Playlist auf die A100. Wir singen laut “All The Single Ladies” und es geht raus aus Berlin, rein ins Abenteuer.
Die Fahrt verläuft ohne große Hindernisse. Wir kommen gegen 12:00 in Roth an, parken das Auto und machen uns auf den Weg zur Triathlon Messe. Startunterlagen abholen, ein paar Gels kaufen und die Atmosphäre aufsaugen.
Ich habe die Startnummer 1460 – ich mag Startnummern mit vielen geraden Zahlen…there is a little Sheldon Cooper in all of us….Ich hatte mal die 2228…das war ein Fest :-D.

Es fühlt sich alles sehr vertraut an. Und doch völlig anders. Ich fühle mich anders. Es gibt Momente im Leben, in denen man erst zu einem späteren Zeitpunkt merkt, welche Auswirkungen früher gemachte Erfahrungen haben. Und in diesem Moment merke ich, dass Lanzarote mich verändert hat. Nicht nur meine körperliche Fitness ist eine ganz andere als all die Jahre zuvor, auch mental bin ich gewachsen. Der Artikel zum Ironman Lanzarote (zumindest der Rennbericht) mag hier und da etwas negativer wirken, aber ich bin unendlich dankbar und froh, dieses Rennen gemacht zu haben. Timo sagte mir einen Tag vor dem Start: “Sieh es als Abenteuer, das Rennen hat schon mehr als nur einen Athleten grundlegend verändert”. Er hat recht behalten.

Wir fahren zur 20Km entfernten Pension und beziehen unser Zimmer für die nächsten 3 Nächte. Ich kontrolliere mein Rad und schaue mir an, was so alles im Startbeutel drin ist. Im Gegensatz zu dem Startbeutel den wir beim Berlin Marathon bekommen (wer den Artikel gelesen hat, weiß wovon ich rede) ist heute Weihnachten. Klar kostet so eine Langdistanz mehr als ein Marathon. Mir geht es dabei aber eher um die Mühe die sich der Veranstalter für die Starter macht. Außer einem Rucksack bekommt man zahlreiche Gutscheine, Verpflegung, Getränke, ein Startnummernband, eine Mütze etc. Stark!

Ich bringe die Startnummern an meinem Fahrrad und meinem Helm an, und bereite alles für den nächsten Tag vor. Denn morgen ist schon Bike Check-In :).
Dann fahre ich eine ganz kurze Runde (15Km) mit dem Rad, und gebe wie mit Timo besprochen nochmal 5 Minuten richtig vollgas. Es fühlt sich einfach alles richtig gut an.

Wir erkunden nach dem Abendessen nochmal ein wenig den Ort und freuen uns über die tolle Lage, das schöne Wetter und haben die beste Stimmung die man sich vorstellen kann. Vor dem Einschlafen denke ich noch kurz panisch darüber nach, ob ich an die Salztabletten gedacht hab. Ich springe auf und finde die Tabletten aber recht schnell. Der Puls schießt kurz auf 180. Das hat diesmal schon recht lange auf sich warten lassen :-D. Samstag wird aufregend. Ich treffe mich mit Timo, es geht zum Bike Check-In und der letzte Abend vor dem Rennen steht an.

 

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Weiter geht es dann bald im zweiten Teil meiner Geschichte zur Challenge Roth 2018. Dann gibt es mehr über das Rennen, was danach so los war und warum ich immer noch nicht da bin, wo ich nun eigentlich hin will.

Ironman Lanzarote 2018 – Teil 2/2

Hier gibt es den zweiten Teil meiner Geschichte zum Ironman Lanzarote.
Mein Rennen, was danach so los war und meine Gedanken drumherum:

Schwimmen:

Ich gehe in Richtung Schwimmstart, ich will kurz ins Wasser, mich schon mal an die Kälte gewöhnen. Es kann wirklich einen riesigen Unterschied machen, wenn man einfach nur mal zum Wasser geht um sich das Gesicht mit einem ordentlichen Schwung Wasser nass zu machen. Bei mir hat sich dadurch einiges geändert. Ich komme schneller in meinen Rhythmus und erschrecke nicht zu sehr vor der Kälte. (Mache ich aber wirklich nur wenn es kalt ist, bei Temperaturen ab 20 Grad ist das nicht nötig).

Und da treffe ich auch Anastasia wieder. Natürlich kann man auch am Strand den Schwimmstart beobachten. Völlig vergessen…die Aufregung eben. Wir freuen uns über die zusätzlichen Minuten, die wir nun noch gemeinsam haben, bevor wir beide zum “längsten Tag des Jahres” aufbrechen :). Hier gehts drunter und drüber. Alle laufen durcheinander und sind super nervös. Ich bin auch aufgeregt, aber dieses Verhalten ist mir irgendwie neu. Es fühlt sich anders an als sonst. Die Atmosphäre ist extrem aufgeladen. Mir wird schnell klar warum: Zum ersten Mal bei diesem Rennen müssen alle Starter am Eingang zum Schwimmstart ihren Chip aktivieren und dazu an einem kleinen Lesegerät vorbeigehen. Wenn es piept ist der Chip aktiviert. Erzähl das mal 1800 Athleten ;). Niemand ist sich sicher, ob sein Chip aktiviert ist und alle drängen sich, ja quetschen sich wie die Verrückten, um das kleine Lesegerät herum den Chip zu aktivieren. Ebenfalls heißt es: wenn der Chip nicht aktiviert ist, wird man den restlichen Tag nicht getrackt. Heißt also keine Splits, keine Zwischenzeiten und keine Endzeit. Erzähl das mal 1800 Athleten ;).

Ich neige ein wenig zu Klaustrophobie (voll gut in solchen Situationen :-P) und versuche dem Gedränge zu entkommen. Wirklich ganz kurz bevor eine Massenpanik ausbricht kommen einige Ordner und erklären lautstark auf verschiedenen Sprachen, dass das Gerät eine Reichweite von 15-20 Meter hat. Man muss nicht direkt ans Gerät, sondern kann ganz einfach zum Schwimmstart gehen. Der Chip ist so oder so aktiviert. Klar…eigentlich völlig logisch, aber erzähl das mal 1800 Athleten :-D. Okay, erste Panik überwunden. Ich verabschiede mich nochmal von Anastasia und reihe mich in die Gruppe 1:00 – 1:05 ein. Ich bin mit Sicherheit kein Delfin, aber ich bin einigermaßen schnell, wenn ich einen guten Tag erwische.

Ich schaue nach vorne und sehe die erste Boje…und dann wird mir eine Sache bewusst, die ich vorher so echt nicht auf dem Schirm hatte. Das ist ein Massenstart, 1800 Athleten starten gleichzeitig und die erste Wendeboje kommt bereits nach 300m – mit einem 90 Grad Knick nach Links.
Stellt euch 3 Liter Wasser und eine 1 Liter Flasche (ohne Boden) mit engem Flaschenhals vor. Nun nehmt ihr die 3 Liter Wasser und versucht diese in die umgedrehte 1L Flasche zu kippen. Was passiert? Klar, es geht fast alles daneben, weil höchstens die ersten 200ml durch den Flaschenhals schießen bevor es anfängt überzulaufen.

Aber keine Zeit mehr weiter darüber nachzudenken, der Sprecher zählt die letzten 20 Sekunden runter und ***BOOOOOM*** alle stürmen ins Meer.

Ich kann ganz ehrlich nicht wirklich sagen was da genau passiert. Wie ich die erste Schwimmrunde geschafft habe, weiß ich nicht mehr. Gefühlt geht es ums nackte Überleben. Ich stelle mich vorne links auf (also innen) um eine gute Ausgangsposition zu haben. Trotzdem gibt es keine Chance normal zu schwimmen. Überall Arme und Beine, aufgewühltes Wasser, Menschen die panisch nach oben schauen um sich neu zu orientieren. Ich komme nach der ersten Runde aus dem Wasser, bringe den kurzen Landgang hinter mich und springe wieder in die Wellen. Die Strömung ist ganz okay, die Wellen sind nicht zu hoch, aber schon jetzt ist klar: heute wird es windig.
Die zweite Runde schwimme ich wesentlich schneller und entspannter, nur meine Füße tun irgendwie ein bisschen weh…dran gedacht und direkt wieder vergessen. Nach 1:06 komme ich aus dem Wasser. Voll im Soll! Stark. Jetzt freue ich mich wieder richtig und denke nicht mehr an die Panik vor einer Stunde. Später stellt sich heraus, dass ich knapp 4Km, also 200m zuviel geschwommen bin.

Ich laufe in Richtung Wechselzelt durch die mobilen Duschen und erinnere mich an einen von super vielen hilfreichen Tipps von Timo: Wasch Dir unter der Duschen das Salzwasser aus dem Gesicht. Check! Ich laufe ins Zelt, schnappe meinen Radbeutel und ziehe den Neoprenanzug aus. Radsachen raus aus dem Beutel, Neoprenanzug und Schwimmbrille wieder hinein. Socken, Helm & Brille an und Go! Auf dem Weg zum Rad nehme ich schon das erste Gel. Schwimmen war anstrengend, also muss ich den Tank wieder ein wenig auffüllen.

Radfahren

Ich schiebe mein Rad aus der Wechselzone und steige auf. 180.2 Km mit 2586 Höhenmeter liegen vor mir.. in Mordor. Es ist windig…sehr windig. Das merke ich schon auf den ersten Kilometern. Ich habe mir meinen Verpflegungsplan zurecht gelegt: jede Stunde eine Salztablette, alle 40 – 50 Minuten ein Gel und ausreichend trinken. Das ziehe ich auch genau so durch, während ich die Strecke einfach nur atemberaubend finde. In jeder Hinsicht.
Und dann kommt der Part auf den ich mich am meisten gefreut hab: die Einfahrt zum Timanfaya National Park in Richtung der Montanas del Fuego – der Feuerberge. Mordor eben :).

Wir biegen nach links ab und sehen die endlose Straße mit den vielen kleinen Hügeln vor uns. Und dann: Gegenwind. Aber nicht nur ein wenig…mehr als 20Km voll auf die 12. Immer wenn ich einen der vielen kleinen Hügel hochfahre, kommt es mir so vor als würde ich jeden Moment einfach wieder zurück geweht werden. Mein Wettkampfgewicht beträgt 60Kg – bisschen wie Frodo Beutlin aus “Der Herr Der Ringe”, nur mit enthaarten Beinen UND Füßen. Zum Hochfahren der Berge ist das Gewicht super, aber gegen den Wind fehlt mir einfach der Bums. Ich lasse wahnsinnig viele Körner auf diesem Abschnitt. Natürlich wusste ich worauf ich mich einlasse. Mit Wind hatte ich gerechnet und entsprechend trainiert, aber an diesem Tag ist es einfach nochmal ein Stück härter. Dazu kommt, dass ich bei Kilometer 60 immer noch nicht so richtig warm geworden bin. Ich friere fast schon ein wenig. 16 Grad, Wind und Wolken, nicht so mein Ding.

Dann geht es bei Gegenwind in Richtung Osten, zu den beiden höchsten Punkten der Radstrecke, zum Mirador del Haria und zum Mirador del Rio. Zwischendurch merke ich, dass mir die Gels ausgehen. Ich hatte genug für den ersten Abschnitt der Strecke dabei und wollte die restlichen Gels bei den Verpflegungsstationen aufnehmen. Da gibt es aber zu meiner Verwunderung nur Riegel. 2 Tage vorher habe ich noch auf der Messe rumgefragt und mir wurde gesagt: “Es gibt überall Gels auf der Strecke”. War ich auch von der Challenge Roth so gewohnt. Memo an mich: Daniel, lies dir die Wettkampfordnung etwas genauer durch. Selbst schuld, doof gelaufen.
Riegel vertrage ich nicht so gut, davon kann ich nicht viele essen. Feste Nahrung im Wettkampf mag ich, außer ab und an beim Laufen, nicht so wirklich.

Die beiden Anstiege haben es nochmal richtig in sich. Ich werde zwar mit wunderschönen Ausblicken belohnt, muss die Zähne aber schon sehr zusammenbeißen. Am höchsten Punkt des Mirador del Rio schaue ich auf meine Uhr und merke sofort: Diggi, mit der neuen Bestzeit wird das heute nix. Ich beschließe das Rennen ab jetzt einfach nur noch zu genießen. Scheiß was auf die Zeit, ich bin hier auf Lanzarote. Hier sind Palmen, Meer, so viele tolle Menschen, eine der schönsten Radstrecken die ich je gefahren bin. Ich bin mitten in einem der härtesten Rennen der Welt und ich werde es schaffen. So oder so. Wahnsinnig befreiend.

Bei der Abfahrt weine ich…. Nicht nur so ein bisschen Tränen verdrücken. Ich muss die Radbrille ausziehen, weil der Fahrtwind in Kombination mit den Tränen eine normale Sicht nach vorn fast unmöglich macht. Ich weine auch nicht weil ich Schmerzen habe, sondern eher, weil mir bewusst wird was ich hier gerade tue. Irgendwie lustig, dass ich kurz danach noch dachte: hoffentlich hat das keiner gesehen, und es jetzt hier in den Blog schreibe. Aber ey, manchmal muss es einfach raus. Die 120 bisher härtesten Kilometer meiner Triathlon Laufbahn liegen jetzt hinter mir.

Trotzdem sind es noch knapp 60 Km bis zur Wechselzone….und noch einige Höhenmeter. Also trete ich in die Pedale und hole raus, was noch drin steckt. Ich komme in Richtung Wechselzone, ohne Saft im Tank, aber mit einer Erfahrung die mir noch lange erhalten bleibt.
Neben mir fährt ein Athlet, dem offensichtlich die Kette gerissen ist. Er hat sie wohl wieder sporadisch zusammengefriemelt und ich denke mir: Wie lange fährt der wohl schon so?! An seinem Blick zu urteilen: lange!!

Ich sehe Anastasia kurz bevor ich vom Rad absteige und will am liebsten direkt zu ihr und erzählen wie krass das einfach alles bisher war. Ah, aber da war ja noch was! Der abschließende Marathon :).
Ich steige vom Rad und mein Radcomputer spricht Bände: 180.2 Km, 2586 Höhenmeter, 170 Watt im Schnitt bei einer Zeit von 6:49:39. Ich hatte im Voraus mit einer Zeit von 5:45 geplant. Ganz knapp verfehlt :-D.

An diesem Tag war die Siegeszeit fast 20 Minuten langsamer als der Streckenrekord. Das es zeigt recht deutlich, wie hart es an diesem Tag da draußen war :).

Laufen

Ich schnappe meinen Beutel, ziehe die Radschuhe aus und wechsle auch die Socken. Zum Radfahren nehme ich eher dünne Socken und zum Laufen nehme ich am liebsten recht dicke. Damit habe ich gute Erfahrungen gemacht und mir bisher fast keine einzige Blase eingefangen. Aus dem Wechselbeutel fällt mir dann auch mein CLIFF Bar vor die Füße. Ich glaube ich hab mich noch nie so sehr über einen CLIFF Bar gefreut wie in diesem Moment. Ich schnappe die Packung, reiße sie auf, beiße rein und bin einfach nur froh über den bekannten Geschmack und die Speicher, die ich damit jetzt wieder ein mini kleines bisschen auffüllen kann. Ich laufe los und biege aber erstmal Richtung Toilette ab. Ich schließe mich ein und lösche alles Negative, das bisher heute passiert ist aus meinem Kopf, damit ich zumindest geistig frisch in den Marathon starten kann. Diese Eigenschaft habe ich mir irgendwie über die Jahre antrainiert. Das klappt nicht immer und natürlich denkt man ab und zu beim Laufen übers Schwimmen und Radfahren nach, aber die negativen Aspekte versuche ich komplett auszublenden.

Ich öffne die Tür und laufe los. Ich fühle mich vom ersten Moment an richtig gut. Wer hätte das gedacht? Ich laufe einen 5.30er Schnitt, wie ein Metronom. Ich genieße es richtig, in den Laufschuhen zu stecken. Der Marathon besteht aus 3 Runden. 11 Kilometer an der Strandpromenade vorbei in Richtung Flughafen und wieder zurück zum Wendepunkt am Ziel. Danach noch zwei 5km Runden. Sowas liegt mir. Ich mag es gerne, wenn ich Punkte habe, die ich während des Laufens als kleine Motivationspunkte nehmen kann. Motivationspunkte z.B. im Sinne von: Wenn ich hier wieder vorbeikomme, hab ich schon x Kilometer. Und dann ist es echt nicht mehr weit. Und ich mag es gern, Leute zu sehen die schon auf dem Rückweg der ersten Runde sind und zu denken: Dich schnapp ich mir noch. Das gibt mir immer wieder Energie. Und vor allem mag ich das so gerne, weil ich weiß, dass ich Anastasia ab jetzt recht oft sehen werde. Das gibt mir nochmal einen Schub.Ich freue mich mit jedem Schritt, denke an weitere Tipps von Timo: Immer kühlen, immer Wasser auf den Kopf und Schwämme mitnehmen.

Ich nehme wieder 1 Salztablette pro Stunde und Gels ganz nach Gefühl. Ich fühle mich super. Kurz nach der Halbmarathonmarke geht meiner Uhr der Saft aus….ich ärgere mich nur ganz kurz und laufe einfach nach Gefühl weiter. Wie sich später herausstellt, bin ich die letzten 5Km viel schneller gelaufen als  geplant, aber hat sich einfach richtig gut angefühlt, also voll okay. Manchmal hört man dann eben doch besser mal auf den Körper.

Und da vorne taucht es dann plötzlich auf: das Ziel! Ich laufe auf den roten Teppich mit dem Ironman Logo und kann es kaum fassen. Ich werde kein bisschen langsamer, normalerweise gehe ich zumindest die letzten Meter oder trabe, um die Stimmung aufzusaugen und um mich so richtig zu freuen. Aber an diesem Tag könnte ich nochmal 20Km mehr laufen. Ernsthaft, hätte mir jemand in der Situation gesagt: “Heute musst Du 60Km laufen” – ich hätte es einfach gemacht. Aber so laufe ich durch den Zielkorridor, an Soldaten vorbei, die nicht besonders freundlich schauen, reiße meine Arme hoch und bin…. angekommen?! Ich bleibe ungläubig stehen und weiß nicht so recht wohin mit mir. Ich bekomme nicht mal mit, wie der Sprecher ins Mikrofon den berühmten Satz sagt: “Daniel, you are an Ironman”. Ich bekomme die Medaille und schaue mich ungläubig um…war´s das echt? Kann ich jetzt stehen bleiben :)? JA! Ich habs echt einfach geschafft. Ich habe es tatsächlich geschafft. Ich bin überglücklich. Mehr zählt in diesem Moment nicht.

Wie sich später herausstellt, bin ich den Marathon in 3:49h gelaufen und habe eine Zielzeit von: 12:02h.

Nach dem Zieleinlauf:

Die Zeit ist mir gerade ziemlich egal. Ich will jetzt einfach nur meine Sachen und mein Rad schnappen, nach Hause, duschen. Meine Gedanken ordnen und dann mit Anastasia Cerveza trinken und etwas gutes essen :D.

Ich komme zur Wechselzone um mein Rad abzuholen und sehe Anastasia. Sie steht am Zaun und ich laufe zu Ihr. Auch jetzt kullern ein paar Tränen und wir sprechen über vieles, aber mit Sicherheit nicht alles, was an diesem Tag so los war. Sie auf der einen Seite des Zaunes, ich auf der anderen. Hat ein bisschen was von Prison Break. Ach, Wettkampftage sind so wahnsinnig emotional…auch einer der vielen Gründe, warum ich diesen Sport so liebe.

Was für ein Tag, was für ein Wettkampf – unser Abend ist recht kurz, aber super schön. Wir fahren am nächsten Tag zur Award Verleihung zum Club la Santa und freuen uns mit den Gewinnern: Lucy Gossage und Alessandro DeGasperi. Die Atmosphäre ist wieder einfach großartig. Außerdem gibts Freibier :-D. War das mein erster und letzter Start beim Ironman Lanzarote? Mein letzter Besuch auf der Insel war es mit Sicherheit nicht.

Die letzten beiden Tage auf Lanzarote verbringen wir am Strand, trinken San Miguel und erholen uns. Wir haben es geschafft, das große Abenteuer: IRONMAN LANZAROTE!


Ein kleiner Nachtrag in eigener Sache:

Bei fast allen Rennen weltweit gibt es Rolling Starts. Und für mich steht fest: Ab einer gewissen Teilnehmeranzahl werde nie wieder bei einem Rennen mit Massenstart teilnehmen. Ich finde es ziemlich unverantwortlich so viele Athleten gleichzeitig ins offene Meer zu schicken. Es gibt zwar LifeGuards, die in Kajaks das Geschehen beobachten aber ich gehe nicht davon aus, dass diese Maßnahme ausreichend ist. Die Sicherheit der Starter sollte an erster Stelle stehen und meiner Meinung nach ist es nicht nötig eine solch gefährliche Situation für Athleten zu schaffen.