Challenge Roth – Teil 2/2

Und hier ist der zweite Teil meiner Geschichte zur Challenge Roth. Der Tag davor, das Rennen, die neue Persönliche Bestzeit und warum wir direkt danach erstmal eine Woche in Urlaub gefahren sind :)!

Samstag, 30.06.  Bike Check-In

“Erstmal ausschlafen. Da man in der Nacht vor dem Rennen eigentlich nie gut schläft, sollte man einen Tag davor erstmal richtig ordentlich ausgeschlafen”. Jeder Triathlet hat diesen Satz schon mindestens 1 – 200 Mal gehört. Funktioniert irgendwie bei mir nie. Also beides. Weder einen Tag davor ausschlafen (es gibt einfach vieeeeel zu viel zu tun), noch in der Nacht vor dem Rennen vor Aufregung zu wenig, bis gar nicht schlafen.
Bisher hatte ich immer das Glück, dass ich am Wettkampftag morgens gut aus den Federn kam. Bis auf diesen einen Morgen bei der Challenge Almere Amsterdam…aber dazu dann auch an anderer Stelle wieder mehr.

Wir stehen also recht früh auf, Frühstücken ordentlich und dann geht es auch schon los. Heute steht Bike Check-In in der Wechselzone 1 (T1) am Main Donau Kanal an. Und davor treffen wir uns mit Timo auf der Triathlon Messe, um die Renntaktik zu besprechen und letzte Fragen (ja, da habe ich ein paar :D) zu beantworten.

Bevor wir losfahren checke ich wie immer den Inhalt meiner Wechselbeutel. Es gibt einen blauen, einen roten und einen grünen Beutel. Blau und rot muss ich heute schon abgeben. Damit auch keine Verwechslungen entstehen, bekommen alle Athleten extra Startnummern Aufkleber für die Beutel. (kleiner Spoiler: Meiner wurde zum ersten Mal in diesem Jahr verwechselt…aber das kommt gleich noch).

In meinem roten Beutel (Radfahren) befinden sich: 3 Gels, mein Helm, eine Radbrille, Socken und meine Radschuhe: Check!
Meine Laufschuhe, ein zweites Paar Laufsocken, ein Cliff Bar, ein Stirnband und eine zweite Sonnenbrille (man weiß ja nie) befinden sich im blauen Lauf-Beutel: Check!
Mein Fahrrad ist auch bereit, Anastasia ist bereit, ich bin bereit. Los geht´s :).

Obwohl wir etwas außerhalb untergebracht sind, dauert die Fahrt nicht lange und wir kommen 30 Minuten später an der Triathlon Messe an. Obwohl sich hier in verschiedenen Zeitabständen 3500 Einzelstarter und nochmal 650 Staffeln tummeln, bekommt man eigentlich immer einen Parkplatz. Und auch sonst fühlt es sich so an, wie ein Vergnügungspark. Ein Vergnügungspark für Triathleten.
Wo sonst begrüßt einen schon bei der ersten Einfahrt in den Ort ein riesiges Banner, dass an zwei Laternen befestigt ist und die Aufschrift: “WELCOME TRIATHLETES” trägt? Viele Restaurants und Gaststätten sind mit dem Challenge-Logo, Challenge-Merchandising und teilweise selbst gebastelten Bannern geschmückt. Hier ist jeder, also wirklich JEDER im Triathlon Fieber. Sogar in den Drogerie Märkten hängen Medallien und Statnummern von Mitarbeitern, die das Rennen in der Vergangenheit gefinisht haben. Wenn Sebi Kienle auf einem Pferd durch den Ort galoppieren und jeden Namentlich begrüßen würde, dann wäre das…nennen wir es… wohl normal :D. Spaß bei Seite, dieser Ort ist magisch und die Anwohner, Zuschauer, Athleten, das Orga-Team… ach einfach alle sind infiziert vom Triathlon Fieber. Und das nun schon seit 35 Jahren.

Der Mittelpunkt der Messe ist unser Treffpunkt. Dort befindet sich die See

bühne auf der Interviews und Triathlon-Talks stattfinden. Timo hält noch einen Vortrag, gibt Tipps zum Rennverlauf und interviewt einige Starter. Danach begrüßen wir uns und besprechen die Renntaktik. Auch wenn wir uns nun schon eine Weile kennen, ist es immer noch ein besonderer Moment für mich mit Timo zu quatschen. Nervös bin ich nicht, ich bin einfach nur froh. 
Die Wetterbedingungen sollen perfekt werden: 22 Grad und fast kein Wind. Die Renntaktik lautet also grob zusammengefasst: VOLLGAS!
Der Wind soll ab der Mittagszeit leicht von Osten wehen und das bedeutet: knapp 40Km Rückenwind auf der zweiten Radrunde. Die Radstrecke besteht aus 2 Runden á 90Km und die letzen 40Km einer Runde verlaufen in Richtung Westen. Jackpott.

Timo macht mir mut und sagt: “Wenn Du Dich gut fühlst, denk nicht zuviel drüber nach und gib Gas”. Darüber werde ich im Rennen noch häufiger nachdenken.

Wir gehen nochmal über die Messe, schauen uns ein paar Stände an und dann geht es zum Bike Check-in. Von 11:30 – 16:00 ist die Wechselzone für die Athleten geöffnet. Ich gebe mein Rad eigentlich immer recht früh ab, damit ich hinten raus noch genügend Zeit habe, falls was fehlt oder einfach mehr Zeit habe, den Tag noch mit Anastasia zu genießen und etwas abzuschalten. (Das klappt manchmal wirklich!)
Ich gehe also zu meinem Radständer, stelle das Rad ab und lasse etwas Luft aus den Reifen (bis auf ca. 4-5 Bar). Damit verringert man die Gefahr, dass sich die Reifen durch zu hohe Sonneneinstrahlung zu sehr ausdehnen und platzen. Das kann nun wirklich keiner gebrauchen.

Alles läuft nach Plan. Ich platziere den roten Beutel am Schwimmausstieg und gebe den Blauen bei den Helfern ab, die den Beutel zur Wechselzone 2 (T2) Transportieren.
Ich präge mir den Weg ein, den ich aus dem Wechselzelt zu meinem Rad laufen muss und lege meinen Helm auf den Lenker des Rades. Bei der Challenge Roth ist es erlaubt seinen Helm, die Startnummer, die Radbrille etc. über Nacht am Fahrrad zu lassen.

Fertig! Bereit! Ab nach Hause, essen, früh ins Bett. Um 3:30 klingelt der Wecker zum längsten Tag des Jahres :).

01. Juli 2018 – das Rennen

Wir gehen zum Frühstück, dass extra für den Wettkampftag schon ab 03:00 bereit steht. Ich esse 2 Brötchen mit Honig und Marmelade. Kaffee trinke ich nicht, lieber Wasser, sonst kann ich für nichts garantieren :D. Danach nochmal kurz aufs Zimmer, ins Bad, Sonnencreme (50ger) und Creme gegen Wundscheuern auftragen. Rein in die Schuhe und los zum Schwimmstart.
Ach dort ist die Organisation einfach unfassbar gut. Wir finden, wie immer, schnell einen Parkplatz und gehen die letzten ca. 500m in Richtung Wechselzone. Auf halbem Weg fällt mir auf, dass meine Pumpe noch im Auto liegt….aaaaah. Solche Kleinigkeiten können einen an diesen speziellen Tagen echt verrückt machen :D. Also wieder zurück und von vorne. Wir kommen nun also zum Schwimmstart und egal wie sehr ich es versuche, mir fehlen die richtigen Worte um diese Atmosphäre zu beschreiben. Einzigartig, unbeschreiblich, ja fast schon episch. Die Mischung aus Musik, Sonnenaufgang, Adrenalin, Vorfreude und Aufregung elektrisieren die gesamte Umgebung. Alle sind infiziert. (Wie bei 28 Days Later. Nur sind alle froh und keiner hat Interesse daran, den anderen Athleten einfach mal in den Neoprenanzug zu beißen).

Ich gehe zu meinem Rad um erstmal die Reifen aufzupumpen. 8.5 Bar ist meine Zahl zum Glück. Ich kontrolliere nochmal alles, platziere den Radcomputer und fülle mein Trinksystem und meine zweite Trinkflasche auf. Alles läuft gut, die Spannung steigt. Auch Sebi Kienle hab ich schon gesehen. Er wirkt super entspannt und gut gelaunt. Wie eigentlich immer. Lucy Charles hat schon vorher klar gemacht, dass Sie den Schwimmrekord brechen möchte und viele andere Top Athleten sind in diesem Jahr am Start: Daniela Sämmler, Yvonne Van Vlerken, Andi Dreitz, Joe Skipper, Cameron Wurf, Jesse Thomas, Kaisa Sali (von der man in Zukunft sicherlich noch sehr viel hören wird) und noch viele mehr. Ein wahnsinns Starterfeld.

Aber darüber denke ich nur kurz nach, heute bin ich ganz bei mir und das muss ich auch sein. Denn heute soll eine neue persönliche Bestzeit her. Ich setze mich selbst nicht unter Druck, bin aber fokussiert und bereit.

Schwimmen:

Ich ziehe meinen Neoprenanzug an (aber nur bis zur Hüfte, ich habe noch 30 Min. bis zum Start), schmiere meinen Hals mit Creme ein und gehe zum Zaun, um nochmal mit Anastasia zu reden. Wir drücken uns fest und lange, sie wünscht mir ganz viel Erfolg und viel Spaß (wirklich von Herzen, das merke ich) und wir verabschieden uns. Dieser Morgen ist so schon eine echte emotionale Herausforderung aber dieser Moment, ist ein ganz besonderer.

Ich gehe in Richtung Schwimmstart, ziehe meinen Neo nun ganz an, setze die Badekappe auf (auf der auch meine Startgruppe und Startzeit aufgedruckt ist) und reihe mich ein. Kurz bevor es ins Wasser geht, setze ich die Schwimmbrille auf. Diese Momente vergehen immer so rasend schnell. Noch 60 Sekunden bis zu Start. Ich gehe ins Wasser und reihe mich rechts außen ganz vorne ein. Ja, ganz vorne. Da fühle ich mich wohler als im Mittelfeld, umgeben von 200 Schwimmern. Jede Startgruppe in Roth besteht aus genau 200 Athleten, was das Ganze im Gegensatz zu anderen Rennen echt entspannt macht.

Alles wird kurz Still und dann — BOOOM — START!!
Ich halte mich an den Tipp von Timo und schwimme los, als würde mich ein (kleines, dickes) Krokodil verfolgen. Ich will mich freischwimmen und das klappt unfassbar gut. Nach gefühlten 200 Metern schaue ich kurz zurück. Ich konnte mich ein paar Meter von den Athleten, die eben noch direkt hinter mir waren absetzen und finde schnell meinen Rhythmus.
Das restliche Schwimmen verläuft großartig. Ich verliere zwar immer wieder Zeit, weil ich um einige Gruppen herum schwimmen muss, aber es läuft. Auf den letzten 400 Metern steigere ich das Tempo nochmal und denke kurz: Ach Mannnnnnn….da hättest Du schon früher mehr draufdrücken können. Aber egal. Nicht unter Druck setzen und keine negativen Gedanken aufkommen lassen. Nach 01:06 krabbele ich aus dem Main Donau Kanal! Stark! Genauso schnell wie auf Lanzarote. Damit komme ich zurecht.

Ich schnappe meinen Wechselbeutel und laufe ins Zelt. Neo aus, Socken an, Radschuhe an und GO!

Los geht´s auf die 180Km lange Radstrecke. Eine der schönsten und schnellsten überhaupt.
Anastasia winkt mir auf dem Weg aus der Wechselzone zu, das gibt nochmal einen extra Schub.

Radfahren:

Auf der Brücke an der Kanallände in Hilpoltstein stehen unzählige Zuschauer und brüllen so laut, dass ich das Gefühl habe über die Brücke zu fliegen. Und das ist ja erst der Anfang. Der berühmte Solarer Berg kommt erst noch.
Ich komme eigentlich direkt gut in den Flow und genieße den ersten Teil der Strecke voll und ganz.
In den ersten Minuten nehme ich sofort ein Gel, eine Salztablette und einen ordentlichen Schluck aus meinem Trinksystem.
Bei Km 38 biege ich in Greding um eine Linkskurve und da ist er nun auch schon, der Kalvarienberg. Im Challenge Jargon auch liebevoll “der Berg der Leiden” genannt :-D.
10% Steigung auf 1500m. Das ist schon eine kleine Kante und in den letzten Jahren habe ich dort nie so wirklich gute Erfahrungen gemacht.

2 Jahre zuvor bin ich an dieser Stelle auf der zweiten Runde an Anastasia vorbeigefahren und hätte mich gerne einfach nach links in Ihre Arme fallen lassen. Einfach so. Mit Fahrrad :D.

Aber dieses Jahr ist es anders…ich freue mich drauf! Ernsthaft. Ich habe so viele Km in den Beinen wie nie zuvor, und kann es einfach kaum erwarten. Es läuft großartig, ich fahre den Anstieg mit einem Grinsen im Gesicht hoch. Auf dem Abschnitt halte ich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 18.6 Km/h. Das ich diese Geschwindigkeit halten kann, lässt mich noch breiter Grinsen. In meinem Kopf spielen sich eine Million Bilder aus meinem Training ab und ich bin einfach nur froh, dass ich es endlich genießen kann, hier hoch zu fahren. Die Strecke kenne ich sehr gut und ich weiß: nun ist es nicht mehr lange bis zur Abfahrt Richtung Eysölden. Und dann geht es auch schon zum Solarer Berg.

Wie es ist diesen Berg hoch zu fahren, weiß ich. Das denke ich zumindest jedes einzelne Mal. Trotzdem wird man einfach überwältigt. Hier wird es emotional, egal wie oft man schon da war. Bilder sagen an dieser Stelle eben doch mehr als 1000 Worte:

 

Noch 1 Km später klingeln mir die Ohren von den Anfeuerungsrufen der Zuschauermassen. Ich schnappe mir eine neue Flasche an der Verpflegungsstation, gleich hinter dem Anstieg und fahre Richtung Hilpoltstein, zur zweiten Runde. Ich sehe Anastasia direkt gegenüber des Schwimmstarts und freue mich wie ein kleiner Kuchen, der noch nicht angeschnitten wurde.

Die zweite Runde verläuft gut, in den letzten Jahren gab es eine Stelle vor der ich besonders Angst hatte. Ein langer übersichtlicher Streckenabschnitt, der in einem mini kleinen Anstieg endet und sehr windanfällig ist. Diese Hürde habe ich mir in den letzten Jahren selbst aufgestellt und bin jedes Mal drüber gestolpert. Aber….ihr wisst schon: Diesmal nicht! Die Hürde habe ich in diesem Jahr aus meinen Gedanken verbannt. Für immer :).

Ich komme zur zweiten Wechselzone und bin voll im Plan. Auf dem Radcomputer steht eine Radzeit von 5:45h bei einem 31ger Schnitt. Ich merke beim Abstieg von meinem Rad sofort, dass ich gute Beine hab. Wahnsinn!

Die Helfer bei der Challenge Roth nehmen mein Fahrrad entgegen und ich laufe in Richtung Wechselzelt. Hier werden die Räder von allen Athleten entgegen genommen, niemand muss das Rad irgendwo aufhängen oder hinbringen. Es gibt bei diesem Rennen insgesamt 7000 (!!!) Helfer. Das macht fast 1.5 Helfer pro Starter. Auch das macht das Rennen einfach zu etwas ganz Besonderem. Man wird rundum versorgt und fühlt sich wirklich rundum wie ein Profi Athlet.

Laufen

Auf dem Weg ins Wechselzelt, reichen die Helfer allen Athleten die Wechselbeutel an, damit man auch hier keinen Stress hat und sich voll und ganz auf den Wechsel konzentrieren kann.  Ich ziehe meine Laufschuhe an und merke sofort: Irgendwas stimmt da nicht, da ist viel zu viel Platz. Entweder sind meine Füße geschrumpft, was mir nach 6:45 Stunden im Rennen garnicht mal so abwegig vorkommt, oder ich habe die falschen Schuhe eingepackt. Aber wie soll das denn passiert sein?! Für den Bruchteil einer Sekunde sehe ich mich schon mit riesigen Schuhen über die Laufstrecke schlappen. Wie der gestiefelte Kater… in XXL-Moonboots. Schlapp schlapp schlapp.
Aber sofort fällt mir auf, dass ich einfach den falschen Beutel bekommen habe. Bei so vielen Athleten und diesem ganzen Gewusel kann sowas schon locker mal passieren. Also: Entwarnung! Innerhalb kurzer Zeit habe ich den richtigen Beutel mit den richtigen Schuhen und kann losflitzen. Zum ersten Mal habe ich in meinem Wechselbeutel auch eine kleine Menge der Creme gegen Wundscheuern. Und glaubt mir, das war die 100.000€ Idee. Nach dem Rennen hatte ich keine wunden Stellen…kein bisschen, einfach nichts.

Ich laufe los, und starte erstmal mit einem Schnitt von 4:50 pro Kilometer. Viel zu schnell, denke ich mir und nehme etwas raus. Ich pendle mich bei ca. 5:10 ein, laufe am Kanal entlang und fange an einige Athleten zu überholen. Ein kleiner Teil von mir denkt sich: “Na, hoffentlich sehe ich die nicht nochmal während des Rennens”. Es ist für mich ein großes Stück Motivation, wenn ich bei dem Überholvorgang die Rennanzüge der Leute erkenne, die eben auf dem Rad noch an mir vorbei gesaust sind. Wettkampf ist Wettkampf :D.

Und so laufe ich einfach weiter. Wie von einer gut gelaunten Tarantel gestochen. Keine Krämpfe, nichts. Ich nehme immer noch pro Stunde eine Salztablette, das war auf Lanzarote schon perfekt.

Von Stimmungsnest zu Stimmungsnest. An der Strecke ist es super voll und soooo viele Leute sind zum anfeuern gekommen. Insgesamt 270.000 an diesem Tag. Diese Zahl kann man gar nicht richtig fassen.
Alle 1.5 Km gibt es eine Verpflegungsstation, mit  wirklich allem was man sich an guter Verpflegung vorstellen kann. Ich schnappe mir ganz nach Gefühl hier und da mal ein Gel, nur nicht zu viel. Von zuviel Gel bekomme ich immer solche unangenehmen offenen Stellen am Gaumen und nach dem Rennen kann ich dann kaum was essen. Manchmal denke ich, ich bin der Einzige dem es so geht…aber da redet wohl einfach nur niemand so wirklich drüber. Ich merke das auch immer erst ein paar Stunden nach dem Rennen. Aber in diesem Jahr weiß ich es besser und halte mich zurück.

Ich treffe Anastasia insgesamt 3 Mal an der Laufstrecke. Ich sehe ihr an, dass auch sie sich voll darüber freut, dass ich so flott unterwegs bin und keine Probleme habe. In den letzten Jahren kam ich einmal gehend auf Sie zu, nach ca. 15Km auf der Strecke. Ich war durch wie eine Bratkartoffel. Und so sah ich damals wohl auch aus.

Auch der fiese kleine Anstieg in Richtung Büchenbach, der nach der Neueinführung im letzten Jahr heiß diskutiert wurde, kann mir nichts. Auf dem Weg dorthin laufe ich am Stimmungsnest der Tri Familia in der Sandgasse vorbei und Frank schreit mich mit der gewohnten Intensität durch sein Mikrofon an: “Los Daniel, gib Gas. Renn renn renn. Mach hin.” Das höre ich nicht zum ersten- und sicherlich auch nicht zum letzten Mal. Wir kennen uns seit meinem ersten Start bei der Challenge im Jahr 2012 und sehen uns seitdem regelmäßig bei vielen Rennen entweder auf oder neben der Strecke. Wenn Du das hier liest, lieber Frank: Danke :)!

Ich laufe also nach Büchenbach zum Wendepunkt bei Km 36 und weiß: Es sind nur noch 6 Km, ich bin auf dem besten Weg eine neue persönliche Bestzeit aufzustellen und…..mir geht es fantastisch. Ich werde kein bisschen langsamer, laufe sogar einen Kilometer noch in 4:52.

Kilometer 40.

Ich kann die Musik im Ziel Stadion schon hören.

Und dann ist es soweit. Ich biege links ab, und der Zielkorridor beginnt. Schon auf dem Weg zum Stadion, in dem die eigentliche Finishline aufgebaut ist stehen viele Zuschauer und ich klatsche mit allen ab, die mir ihre Hand hinstrecken. Ich laufe ins Stadion, reiße die Arme hoch und schreie wohl auch mal hin und wieder (ziemlich laut) :D. Ich geniesse es wie ich einen Zieleinlauf noch niemals vorher genossen habe. BESTZEIT!

10:38

Meine alte Bestzeit konnte ich um fast genau 1 Stunde unterbieten. Und das, obwohl ich vor 5 Wochen noch auf Lanzarote gestartet bin. Ich fasse es nicht. Ich bin überglücklich. Ich bekomme meine Medaille und Anastasia kommt über die Tribüne zu mir. Wir drücken uns fest und lange, ein paar kleine Tränchen fließen.

Ich gehe Richtung Finisher Zelt, in dem eine unglaubliche Menge an tollem Essen für alle Athleten bereit steht. Vorher schnappe ich mir mein Finisher Shirt und 2 von diesen alkoholfreien Weizen, die nach so einem langen Tag schmecken wie Dom Pérignon.

Ich habe keinen Hunger und bin noch echt gut auf den Beinen. Manchmal ärgere ich mich, dass ich nach Rennen oft einfach nichts essen will. Aber so bleibt eben auch mehr für die Anderen :D.

Ich schnappe meinen Wechselbeutel, gehe kurz Duschen, ziehe mich um und verlasse den Zielbereich. Ich will zu Anastasia. Ich will ihr alles Erzählen, was ich hier nun auch nochmal für euch aufgeschrieben habe. Und das dauert 😀

Wir schnappen recht schnell mein Fahrrad und fahren zurück zur Pension. Ich brauche immer erstmal ein wenig, um klar zu kommen nach so einem langen tollen Tag.
Außerdem fliegen wir einen Tag später schon nach Griechenland. Den Urlaub haben wir kurz vorher gebucht. Und den brauchen wir auch beide dringend.

Ich kann nur jedem Athleten, der zum ersten Mal in Roth startet empfehlen zur Finishline Party am Abend zu gehen. Es gibt ein riesiges Feuerwerk und die Stimmung ist unbeschreiblich.

Wir schaffen es an diesem Abend nicht nochmal nach Roth. Wir sind Überglücklich einfach zusammen zu sein und die Stille, die im Ort herrscht zu genießen.
Am nächsten Tag fliegen wir ja schon nach Griechenland.
Dieses Wettkampf Wochenende in Roth war eins der schönsten, das ich jemals erlebt habe.
Sogar beim Schreiben bekam ich nicht nur einmal eine Gänsehaut.

Dieses Rennen hat so viel Gutes in mir hinterlassen, dass es noch bis heute anhält und wahrscheinlich noch sehr lange, wenn nicht sogar für immer, anhalten wird.

Jede Triathletin und jeder Triathlet hat eine Bucket List – Rennen, die man unbedingt mal machen möchte.

Schreibt euch die Challenge Roth ganz nach oben, auf Platz 1. Denn da gehört sie hin :).

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